Leseprobe: Eiskalt – Mit dem Motorrad in die Eiswüsten

Eiskalt

von Bruno Pillitteri

Die beiden Freunde stürzen immer wieder. Die große Anstrengung macht uns zu schaffen und beeinträchtigt zusätzlich die Konzentration. Kleine Dörfer, verlassene Hütten begleiten unsere Fahrt. An einer Kreuzung fragen wir einen Lkw-Fahrer im großen russischen GAZ nach dem Weg. Er will uns zurückschicken: „Die Straße ist nicht gut für Motorräder!", aber wir fahren weiter. Die Lkws hämmern an uns vorbei. Ein alter Lada wird von einer Windbö erfasst, das Heck reißt herum und der Pkw schliddert über alle vier Reifen auf mich zu. Zwei Meter vor mir bleibt der Wagen liegen und ich zeige dem Fahrer mit einer Geste mein klopfendes Herz. Aufgeregt erzählt er mir im russischen Redeschwall seine Version von diesem Rutsch-Erlebnis und ist froh, dass mir nichts passiert ist. Die Straßenbautrupps, an denen wir vorbeikommen, schauen uns kopfschüttelnd nach. Die Straße wird immer leerer.

Fragen hämmern im Kopf: Stimmt die Karte? Wo bleibt der eingezeichnete Ort? Warum stimmen die Kilometerangaben nicht? Warum kann ich die Straßenschilder nicht lesen? Warum kann ich kein Kyrillisch? ...Es ist mittlerweile dunkel. Volker rappelt sich nach einem weiteren Sturz auf, ihm schmerzt das Knie. Rainer will nicht mehr. Fast lethargisch verrichten wir unsere Arbeit: Motorräder aufwuchten, Seitenständer ausklappen, nach Defekten schauen, reparieren. Die Yamaha-Batterie zickt - die Sitzbank der Xt runter, Starterkabel, fremdstarten, erneut anlassen, Mut zusprechen und weiterfahren. Ein paar Kilometer weiter das gleiche Spiel.

Die Reisegeschwindigkeit liegt jetzt bei sieben Stundenkilometer. Absolute Dunkelheit, der Schnee wird immer dichter. Mir schmerzen die Hände, die Oberschenkel, der ganze Körper. Der Ritt auf der Kawasaki wird immer heftiger, zweimal drehe ich mich mitsamt dem Motorrad um die eigene Achse. Das Hinterrad bricht seitlich aus, ich kann das Motorrad kaum abfangen und wir stehen verkehrt herum auf der Fahrbahn. Wo sind die Jungs? Die Scheinwerfer tanzen durch die Nacht... Dann die Erlösung - wir erreichen die Hauptstraße, die M20.

Das Buch können Sie direkt beim Autor per Mail bestellen, auch gern mit Widmung, über bruno@aufspur.de oder bei Amazon.

 

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