Reisebericht Alaska

  • Alaska
  • Adler

Alaska - endlose Straßen in der Heimat von Elch und Bär
06. Juli - 15. August 2006

Der hohe Norden des amerikanischen Kontinents steht immer noch für Weite, Freiheit und Abenteuer. Die grandiose und schwer zugängliche Natur Alaskas bleibt eine der letzten Herausforderungen.
Fast sechs Wochen haben wir Alaska in kleiner Gruppe erlebt und erfahren: Wir ließen die Zivilisation hinter uns und reisten durch unberührte Natur, wie die meisten von uns sie noch nie gesehen hatten!
Endlos erscheinenden Erdstraßen, Schotter- und Sandpisten, begleitet von riesigen Nadelwäldern und Tundren auf Permafrostböden neben gewaltigen Gebirgen, die das Eis ihrer Gletscher in den Pazifischen Ozean entlassen.

 
 
Alaska

Motorradreise Alaska
Sommer 2006

zu den Fotos

Alaska Tagebuch Teil 1

 

Alaska Tagebuch Teil 1

Ankunft in Vancouver, Sa., 08.07.2006

Es hat geklappt. Nach gutem Flug und einer witzigen Unterkunft in einer spannenden Umgebung in Downtown Vancouver haben wir die Motorräder völlig problemlos aus dem Zoll bekommen, lediglich das Finden der Spedition war nicht ganz einfach. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Granville sehen wir schon den Bereich, wo wir die Motorräder abholen müssen, aber als wir dort heute Morgen mit dem Taxi erscheinen, teilt man uns an der angegebenen Adresse mit, dass Eagle Logistics schon vor Monaten an einen neuen Standort in den „benachbarten“ Stadtteil Richmond umgezogen sei. Also fahren wir mit dem Taxi dorthin, eine kleine Weltreise. Nach einigem Suchen finden wir zwar die Spedition, müssen aber von der sehr netten Mitarbeiterin Anne erfahren, dass der neue Standort der Spedition zwar hier sei, die Motorräder aber in einem Lagerhaus auf der Rückseite des Gebäudes seien, in dem sie früher ihren Standort hatten. Gerade noch rechtzeitig können wir unser Taxi zurückrufen und fahren etwas genervt mit völlig überflüssigen Kosten zu dem nun angegebenen Ort.
Ziemlich schnell finden wir auch das Lagerhaus. Doch vor der Ausgabe der Motorräder ist ein noch scheinbar größerer bürokratischer Vorgang angesagt. Mit einem Stapel Papiere gehen wir zum Zoll, der sich glücklicherweise im Nachbargebäude befindet. Wir haben Glück. Ein jüngerer Zöllner, der anfangs einen etwas abweisenden Eindruck macht, erweist sich als ausgesprochen nett und hilfsbereit, übernimmt die Abwicklung der Papiere und schickt uns bis zu ihrer Fertigstellung in ein benachbartes Café: das erledige ich für Euch und komme dann zu Euch rüber.“ Es dauert nicht lange und er kommt mit den fertigen Unterlagen. Das war`s. Wir unterhalten uns noch über die laufende Fußballweltmeisterschaft und über deutsches Bier. Dann verabschieden wir uns und ich verspreche ihm, dass, falls wir uns wiedersehen, er von uns ein deutsches Bier bekommen würde.
Wir gehen zu „unserer“ Lagerhalle, geben die Papiere dort ab und bekommen unsere Motorräder in den Metallracks auf den Hof gestellt. Ruckzuck haben wir sie daraus befreit, die Batterien angeklemmt, alles zusammengebaut und befestigt.

Endlich können wir starten.

Mit viel Spaß fahren wir los, auf der Suche nach der nächsten Tankstelle, denn wir mussten die Motorräder in Hamburg mit minimalem Tankinhalt abliefern.
Beim Tanken dann eine doppelte Überraschung. Zum einen ist der Sprit deutlich günstiger, als bei uns, ca. 1 Euro pro Liter, aber zum anderen hat Superbenzin nur etwa 91 Oktan. Mal sehen, was das noch wird.
Beim nächsten Supermarkt halten wir an und versorgen uns mit Vorräten für die nächste Zeit. An die dort angebotenen Packungsgrößen und vor allem an das andere Brot – typisch amerikanisches Ziehharmonika-Weißbrot - werden wir uns auch noch gewöhnen müssen.
Auf dem Parkplatz werden wir laufend von Deutschen oder deutschstämmigen Kanadiern angesprochen, die vor allem über unsere deutschen Nummernschilder „stolpern“.
Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft stoppen wir an einer Filiale des kanadischen Automobilclubs CAA und versorgen uns mit Karten. Das Angebot einer genauen Routenausarbeitung lehnen wir aber dankend ab, das wäre doch zu viel Papier, das wir hätten mitschleppen müssen.
An der Jugendherberge angekommen, treffen wir wieder auf Axel, der inzwischen mit seiner Leih-V-Strom schon zurück war. In seiner Wartezeit hatte er in der Tiefgarage des benachbarten Best-Western-Hotels einen sichern Stellplatz ausfindig gemacht.
Wir legen unser Gepäck ab, schließen den Großteil im Gepäckraum der Jugendherberge ein und erkunden dann unsere neue Umgebung. Abschließend gehen wir noch essen und dann setze ich mich an einen der PCs der Jugendherberge, um diese Zeilen zu schreiben, während die anderen noch eine oder zwei Abendzigaretten rauchen. Na gut. Morgen geht es also los. Wir sind schon ganz gespannt.

Alaska Tagebuch Teil 2

 

Alaska Tagebuch Teil 2

Jenseits der Teslinbrücke, Fr., 14. 07.2006

Nun sind wir schon weit im Norden, in Teslin, ca. 180 km vor Whitehorse.
Bis auf die Batterie von Ellens F 650, die gleich zu Beginn anfing rumzuzicken und dann ganz versagte, ging alles gut. Glücklicherweise kam der Batterietod erst am Ende einer tollen Pistenstrecke. Das war auch gut so, denn sonst hätten wir ein ziemliches Problem gehabt. Auch so konnten wir die Strecke nur bewältigen, indem wir die GS mehrfach anschieben mussten.
Nun sind wir zwei Tage hinter unserem Plan zurück. Solange brauchte es, bis wir eine neue Batterie bekamen, und die musste aber auch noch geladen werden. Aber die Hilfsbereitschaft ist groß. Doch der Reihe nach.

Nach dem süßen Frühstück in der Jugendherberge holen wir unsere Motorräder aus der Tiefgarage und beginnen sie zu beladen. Wir sind fast fertig, als ein Motorradpolizist neben uns hält und uns darauf aufmerksam macht, dass wir im Bereich einer Bushaltestelle im Parkverbot ständen. Ich komme mit ihm ins Gespräch über uns und unser Vorhaben und muss nach kurzer Zeit mein Notizbuch holen, um all die guten Tipps aufzuschreiben, die er uns für die folgende Strecke gibt. Zum Abschluss tauschen wir noch unsere Visitenkarten aus.
Gerade als wir losfahren wollen, hören wir ein: „Hi, you!“. Es ist der junge Zöllner, der uns bei der Abwicklung des Einreisepapierkrams so nett geholfen hatte. Er hat seinen freien Tag und wohnt unweit unserer Unterkunft. Zu seinem großen Erstaunen mache ich mein Versprechen wahr, ziehe aus einem Packsack eine Dose mit deutschem Bier und schenke sie ihm.
Bei der Abfahrt zickt Ellens F 650, will nicht anspringen. Wir müssen sie anschieben. Dann fahren wir durch wunderschöne Stadtviertel aus Vancouver hinaus Richtung Horseshoe Bay, einem der Abfahrtsorte der Fähre nach Vancouver Island. Nachdem Ellens BMW unterwegs einige Male nicht angesprungen war, kontrollieren wir die Anschlüsse der Batterie mit dem Verdacht, dass wir sie bei der Montage nicht richtig festgezogen hatten. Aber dem ist nicht so. Wir müssen feststellen, dass die Batterie teilweise ohne Wasser ist und das, obwohl sie kurz vor der Abreise in Hamburg noch in einer großen Inspektion gewesen war, sogar noch mit dem Hinweis auf eben diese bevorstehende Reise.
Wir stoppen an einigen Tankstellen auf der Suche nach destilliertem Wasser, aber vergebens. Auch hier ist der Trend zu erkennen, der von einer Servicestation für Auto- und Motorradfahrer zu einem Supermarkt führt, der nebenbei auch noch Benzin verkauft. Bei einem Moped- und Quadladen werden wir aber fündig. Der ursprünglich aus Portugal stammende Besitzer ist sehr hilfsbereit. Wir füllen das Batteriewasser nach und fahren guten Mutes los.

Das Wetter erweist sich als sehr wechselhaft. Wir haben alles vom Sonnenbrand bis stundenlangen Regenfahrten. Nun sind wir auf dem Alaska Highway unterwegs. Diese Straße zu fahren macht Spaß. Bis jetzt ist sie durchgehend geteert, Benzin gibt es in ausreichenden Abständen, wenngleich mitunter nur 87 Oktan, dafür aber bleifrei. Alle möglichen Tiere begegnen uns, Bären - große und kleine - Elche, Karibus, Kojoten, ein Wolf, Bergziegen und Millionen von Mücken. Die, so scheint es, haben nur auf uns gewartet. Aber ich will nicht klagen. Das haben wir uns ja ausgesucht, wir sind hier ja freiwillig.

Morgen werden wir den Highway auf einen Abstecher verlassen, um auf einem anderen Weg nach Dawson City zu gelangen. Mal sehen, wie`s wird.

Alaska Tagebuch Teil 3

 

Alaska Tagebuch Teil 3

Dawson City - zurück im Wilden Westen, So., 16. 07.2006

Das Wetter in Richtung Norden verschlechterte sich, durch den Ausfall der Batterie sind wir weiter um zwei Tage im Verzug, deshalb haben wir uns entschlossen, nicht, wie vorgesehen, über den Canol Highway nach Ross River und dann weiter über den Campall Highway nach Carmarcks zu fahren. Stattdessen sind wir auf dem Alkan Highway über Whitehorse gefahren und haben so etwas Zeit gutgemacht. Nördlich der Stadt machen wir eine Mittagsrast in der Sonne am See, nehmen uns Zeit, Füße und Seelen baumeln zu lassen.
Im Vorbeifahren sehe ich aus dem Augenwinkel an einem kleinen Roadside Café ein Motorrad stehen und jemanden daran schrauben. Selbstverständlich drehen wir um, vielleicht wird unsere Hilfe benötigt.
Vor dem Café treffen wir Klaus aus Recklinghausen, der eben hier mit seiner KTM Adventure liegen blieb, just 110 km, nachdem er sein Motorrad nach einer Inspektion in Whitehorse abgeholt hatte. Öl leckt, die Ölablassschraube ist gebrochen. Wir müssen ihm aber nicht mehr helfen, die "Verursacher" des Problems sind schon mit einer neuen im Anmarsch. So verkürzen wir nur seine Wartezeit und nutzen die Zeit, denn in diesem eher unscheinbaren Café in der Mitte von nowhere gibt es die besten und größten Zimtschnecken, die ich je gegessen habe. Nach einer guten Pause verabschieden wir uns von Klaus und setzen wir unsere Fahrt fort.

Am Abend übernachten wir in einem kleinen Camp, das zu einem Indianerreservat gehört. Es liegt unweit des Yukon. Nach dem Zeltaufbau erleben wir einen wunderschönem Sonnenuntergang und das morgens um ein Uhr! Dafür sehen wir nach dem Aufstehen erst einmal fast nichts. Dichter Morgennebel hängt über dem Fluss. Das ist auch noch eine Stunde später so, als wir abfahren. Im Nebel fahren wir über die Yukonbrücke auf die andere Seite des Flusses. Dann schlängelt sich die Straße aus dem breiten Flusstal langsam höher und bald darauf fahren wir oberhalb der Nebelbank durch strahlenden Sonnenschein.
Zu beiden Seiten der Straße ist ein breiter Streifen freigehalten. So ist es einfacher zu sehen, wenn irgendein Tier die Straße queren will. Gut so. Einen Elch zu sehen ist das eine, ihn aber direkt vor dem Vorderrad zu haben, ist nicht sicherlich besonders erstrebenswert. Langsam weicht der Baumbestand zu beiden Seiten der Straße zurück.

Nachmittags schien es, als näherten wir uns einer Mondlandschaft. Riesige Steinschutthalden zu beiden Seiten der Straße. Dann taucht eine Holzstadt wie aus dem Wilden Westen vor uns auf - Dawson City. Holzhäuser, Holzbürgersteige, wenn wir nicht wüssten, in welchem Jahr wir wären, wenn nicht der eine oder andere Straßenkreuzer oder Pickup an uns vorbeifahren würde, könnten wir glauben, wir seien zur Zeit des Gold Rushs unterwegs, zumindest aber in einer Filmkulisse.
Wir gönnen uns das Downtown Hotel: „BMW parking only“ sagt das Schild vor dem Saloon. Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.
Auch hier sind die Gehsteige aus Holz, die Straßen nicht gepflastert, das Beerdigungsunternehmen gegenüber zeigt im Schaufenster Bilder von einem Sargtransport im Winter mit dem Reklamehinweis „die letzte Fahrt mit einem Hundegespann“. Wäsche waschen, Leine spannen und alles zum Trocknen aufhängen. Dann setzen wir uns mit einem Bier auf die straßenseitige Veranda des Hotels und beobachten vom Schaukelstuhl aus die vorbeiziehenden Leute.
Nach dem Abendessen mache ich noch einen Rundgang durch die Stadt, vorbei an dem Haus, in dem Jack London gewohnt hat. 23:30 Uhr. Es ist immer noch nicht dunkel und dann, für uns etwas irritierend, mäht jemand um diese Zeit noch seinen Rasen. Dann siegt der Verstand. Es wird Zeit, ins Bett zu gehen, morgen geht es weiter.

Alaska Tagebuch Teil 4

 

Alaska Tagebuch Teil 4

Über den Top of the World Hwy nach Tok, Mo., 17.07.2006

Früh stehen wir auf, genehmigen uns nur ein kleines Frühstück. Auf dem Weg zur Fähre, die uns über den Yukon bringen soll, drehen wir noch eine kleine Runde durch die Stadt. Dabei passieren wir auch die Häuser, in denen Jack London und Robert Service gewohnt haben, die beiden Schriftsteller, die mit ihren Geschichten die Zeit des Goldrausches und damit auch Dawson City lebendig gemacht haben. Unweit des Fähranlegers befinden sich die Überreste der Bank, in der Robert Service als Bankangestellter gearbeitet hat. Ein sehr interessantes Gebäude im Stil der Gründerzeit. Eine Art potemkinsches Gebäude. Aus der Entfernung erweckt es den Eindruck eines massiven Steinhauses, ist aber gar nicht aus Stein, sondern ein Fachwerkgebäude, holzvernagelt und außen mit bemalten Zinkplatten verkleidet, die den Anschein eines soliden Mauerwerks vorspiegeln sollten.

An den Wohnmobilen vorbei rollen wir nach vorne zur Fähre. Gleich nachdem die Fahrzeuge, die von der anderen Seite des Yukon gekommen waren, die Fähre verlassen hatten, fahren wir rauf. Im Nu ist die Fähre mit Fahrzeugen gefüllt und schon 10 Minuten später sind wir drüben. Halb zehn ist es inzwischen.
Kurz vor unserem Anlegen schiebt ein Bulldozer den Sand am Anleger zusammen - das kann ja heiter werden. Aber es sieht schlimmer aus, als es ist, nahezu ohne Probleme schlingern wir durch den weichen Sand, dann haben wir für ein paar hundert Meter Teer unter den Rädern.
Schnell klettert die Straße immer höher. Die Ausblicke erst auf den Yukon, dann auf Dawson City und die umliegenden Berge werden immer grandioser. Top of the World Highway heißt diese Straße. Die Kanadier und vor allem die Amis nehmen den Mund ja gerne voll, aber diese Fahrt ist einfach Spitze. Vergleichbar vielleicht mit der Vogesen-Hochstraße oder Fahrten auf der spanischen Seite der Pyrenäen mit ihren unendlich weiten Ausblicken. Ellen ist voller Anspannung, denn einige amerikanische Harleyfahrer, die wir am Tag zuvor in Dawson City trafen, hatten ihr mit ihren Beschreibungen der Strecke Angst gemacht. Die Straße sei absolut fürchterlich, ein stundenlanges Gekurve bis zur amerikanischen Grenze. Dazu noch Staub ohne Ende. Fast nichts von alledem stimmt. Zwar sind wir immer wieder auf kilometerlangen Pistenabschnitten unterwegs, unterbrochen von Teerpassagen. Aber die sind gut zu fahren. Es staubt zwar auch, aber die Ausblicke in die Landschaft entschädigen uns für alles. Immer wieder halten wir an, genießen die Landschaft um uns herum. Allmählich beruhigt sich Ellen. Das Fahren auf der Piste bereitet ihr überhaupt keine Probleme. Sollte es auch nicht, denn sie ist einige Male bei uns zum Endurotraining gewesen. Außerdem - mit ihrer BMW 650 GS ist die Strecke sowieso gar kein Problem. Es ist eher eine Kopfsache und liegt nur an dem dummen Geschwätz der Harleyfahrer, die sogar noch Anhänger hinter ihren Teilen hinterherschleppten.

Nach gut zwei Stunden erreichen wir die Grenze nach Alaska. Am Eingang zum Grenzhaus besagt ein Schild: „Keine Waffen im Office erlaubt“. Wir erleben eine völlig unproblematische Einreise, nichts von dem Theater beim Einflug nach New York. Jeder von uns zahlt 6 $ Eintritt – nein, Visagebühren. Mit dem netten Grenzbeamten aus Louisiana unterhalte ich mich noch über das Hochwasser in New Orleans und darüber, was ihn hierher verschlagen hat „...da unten sind mir einfach zu viele Menschen“. Zum Abschied schenkt er mir noch eine DVD mit Informationen über das Hochwasser und wir bekommen noch einen Sonderstempel in den Pass gedrückt. Dann geht es auf einer noch etwas wilderen Piste talabwärts. Na ja. Die Amis investieren ihr Geld zurzeit auch wohl mehr in den Straßenbau im Irak.
Neben der Straße steht im Fluss, besser im Bach, ein aufgelassener riesiger Goldwaschbagger. Eine irrsinnige Konstruktion aus Holz und Metall. Wie mag der wohl hierhergekommen sein? Klar halten wir an und inspizieren diesen Koloss. Etwas weiter erreichen wir den kleinen Ort Chicken, tanken und machen eine Kaffeepause. Eine unglaubliche Tankstelle, wie aus den 20er Jahren, mit einer ebensolchen Werkstatt. Nebenan steht noch so ein gewaltiger Bagger. In dem kleinen Bach, der am Café vorbeifließt, hocken Leute, die mit der Pfanne ihr Glück beim Goldwaschen versuchen.
Weiter geht’s. Ein Stück weiter, in den Bergen im Hintergrund, sieht es aus, als fällt Regen aus dem fast wolkenlosen Himmel. Aber je näher wir kommen, desto stärker riecht es nach Rauch. Es ist keine Regenfront, die vor uns herzieht, es sind Waldbrände, die wir sehen. Ich verlasse die Straße und fahre ein Stück querfeldein zu einem Feuerwehrauto, das oberhalb eines Abhangs parkt. Zwei Feuerwehrleute sitzen drin, die die immer wieder auflodernden Flammen vor sich beobachten. Ich spreche sie an, erkundige mich nach dem Szenario und ihren Aufgaben. Aber sie müssen nur beobachten und Veränderungen der Zentrale melden. So quatschen wir über Feuer, BMWs und den an sich schönen Tag. Nach einer Weile traile ich zurück zur Straße und wir setzen unsere Fahrt durch endlos verbrannte Flächen fort. Baumstämme ragen wie schwarze Spargel in den knallblauen Himmel, ein überaus merkwürdiger Anblick.

Dann erreichen wir Teslin Jct und sind damit wieder am Alaska Highway. Die Tankstelle an der Kreuzung ist verlassen, wirkt wie eine Filmkulisse für „Out of Rosenheim“. Gelegenheit ein paar witzige und surrealistische Fotos zu schießen.
Ein paar Kilometer weiter, Meilen muss ich ja inzwischen sagen, erreichen wir Tok, unser heutiges Ziel. Nach einem Vorschlag der netten jungen Frau aus dem Visitor Center essen wir bei „Fast Eddy“. Sein Alaskaburger ist hervorragend und riesig, ebenso seine Pizza, an deren Größe sich Ellen verkalkuliert. Aber wieso der Laden „Fast Eddy“ heißt...
Zur Nacht checken wir im Sourdough Campground ein. Ich düse noch mal los und lasse mir an einem Schrottplatz eine Verstärkung an meinen Seitenständer schweißen. Der war inzwischen ganz weich geworden und hatte sich immer weiter verbogen. Naja, das Gebrutzel, das der Typ veranstaltete, war eine kleine Katastrophe. Das hätte ich lieber selber machen sollen. Das hätte ich deutlich besser gemacht. Nicht schön, aber selten. Zumindest hält es jetzt und macht das Abstellen wieder einfacher.
Abends gibt es im Camp noch eine Pfannkuchenschau mit Liedern und Pfannkuchenzielwerfen – Ken, der Besitzer macht eine tolle Show. Genau das richtige für die alten Amis, die hier mit ihren Campern über Nacht oder länger stehen.
Zurück an unseren Zelten stehen noch ein paar kleine Reparaturen an. Ein bisschen notwendiges Gepussel. Dann noch ein Bier und schon ist wieder Mitternacht vorbei. Aber es ist längst noch nicht dunkel.

Alaska Tagebuch Teil 5

 

Alaska Tagebuch Teil 5

Fairbanks – die Top-Unterkunft, Di., 18.07.2006

Heute Morgen bereiten wir zur Abwechslung mal unser Frühstück nicht selber. Wir gönnen wir uns ein „Pfannkuchenfrühstück“ auf dem Campground in Tok. Daran muss man sich schon gewöhnen. Es ist lecker, aber viel zu süß. Dann packen wir wieder alles zusammen. Anschließend geht es weiter in Richtung Fairbanks. Hier ist der Alaska Highway endlos gerade, führt aussichtsreich auf die Berge zu, knickt aber dann ab und führt weiter, nur geradeaus. Vorbei führt die Straße an einigen wenigen Häusern, meist mit viel Schrott vor den Türen und in den Gärten. Wir erreichen Delta Jct., haben eine erste Begegnung mit der Alaska Ölpipeline, die hier durchführt und treffen bei Mile 1422 auf das Ende des Alaska Highways. Stopp für ein Foto.

Last Fronier Church, Rentierwürste, Blick auf den breiten Delta River, im Hintergrund die Alaska Range mit dem Mt. McKinley, grandios. Mal sehen, wie es wird, wenn wir dort sind, ihn aus noch größerer Nähe sehen.
Wir erreichen North Pole, die Heimat von Santa Claas. „Typisch“ amerikanisch. Geschäfte mit dem Weihnachtsmann, das ganze Jahr lang. Weihnachtslieder klingen aus allen Ecken, Wunschzetteln von Kindern, Christbaumkugeln, Rentiere in allen Größen und aus allen Materialien, Postkarten, mit Weihnachtsmotiven bestrickte Pullover, da kann man nur kopfschüttelnd den Laden verlassen.

Vorbei an einer Airbase mit einem Avacs Aufklärer, über uns in der Luft sind Senkrechtstarter in Aktion. Dann sind wir in Fairbanks. Nach kurzem Suchen finden wir unser Hostel, das wir über das Internet gebucht haben. Als „Students Hostel“ firmiert es. Aber solch eine Bude habe ich ewig nicht erlebt. Egal. Betrachten wir es als Folklore. Wir laden unsere Sachen ab und verstreuen uns für einige Zeit in alle Winde. Ich mache noch einen Abstecher zu George Rahn, dem lokalen BMW Händler deutscher Abstammung in der Straße mit dem treffenden Namen Trails End. Und die ist wirklich am Ende der Welt. Was hatte ich für widersprüchliche Geschichten über den alten Herrn gehört! Aber wir beide haben gleich einen Draht miteinander. Er lädt mich zu einem Kaffee gleich um die Ecke ein. Das Gespräch mit ihm macht schon Spaß. Zum Abschluss meines Besuchs leiht er mir noch eine Tube Silikon, mit der ich noch über Nacht einen angebrochenen Tankdeckel reparieren will. Anschließend fahre ich zu unserer Unterkunft zurück. Alle sind wieder zurück und wir gehen noch nach „nebenan“ zum Thai essen. Sehr lecker. Anschließend packe ich meine Sachen, denn morgen will ich mich alleine über den Dalton Highway auf den Weg nach Prudhoe Bay machen. Es soll an das Nordmeer gehen. Die anderen wollen schon zum Denali National Park vorfahren. Dort werden wir uns treffen. Ich bin schon ganz gespannt, wie es so weit im Norden sein wird. Einen Großteil meiner Ausrüstung werde ich hier morgen bei der „Herbergsmutter“ – die uns zumindest ihre grenzwertige Bude vermietet hat – zurücklassen, um mit leichterem Gepäck unterwegs zu sein. Die Sachen will ich auf dem Rückweg von Prudhoe Bay abholen, auf meinem Weg zum Denali.

Alaska Tagebuch Teil 6

 

Alaska Tagebuch Teil 6

Coldfoot – auf halbem Weg zum Nordpolarmeer, Mi., 19.07.2006

Von Fairbanks sind es etwa 400 km bis Coldfoot, wo sich die einzige Tankstelle auf halbem Wege zum Norden befindet. Etwa die ersten 100 km sind noch geteert, dann folgen gut 300 km Piste. Das an sich wäre nicht so schlimm, aber mit einsetzendem Regen macht das nicht wirklich Spaß. Parallel zur Piste verläuft die Alaska Pipeline, mal in unmittelbarer Nähe der Straße, mal ist sie weiter weg. Gelegentlich führt die Straße sogar über sie hinweg. Stichstraßen führen an sie heran, gute Gelegenheit, direkt heranzufahren, mal die Pipeline zu fühlen. Auf den dunkelroten erdbebensicheren Stützpfeilern befinden sich die Kühlrippen zur Ableitung der Wärme. In großen Abständen, meist etwas versteckt gelegen, sind die Pumpstationen zu erkennen, über die das Öl in Fluss gehalten wird.

Anfangs ist es noch trocken, zumindest so lange, bis ich die riesige Holzbrücke über den Yukon erreiche. An den Rastplatz hinter der Brücke halte ich für einen Fotostopp und komme mit einigen Deutschen ins Gespräch, die hier mit ihren umgebauten Wohnmobilen stehen, u.a. ein riesiger Magirus und ein Landrover. Sie sind auch schon lange unterwegs. Den Klaus mit der KTM hatten sie schon gesehen. Er sei am Tage zuvor nach Norden hier vorbeigefahren.

Der Himmel wird dunkler, es riecht nach Regen. Etwas später fängt es dann auch zu regnen an, aber nur glücklicherweise nur wenig. Das ist nicht schön, lässt sich aber auch nicht ändern. Etwas später hört es zu regnen auf und bei Sonnenschein erreiche ich Coldfoot - Nomen ist Omen. Dieser Ort bietet auf dem Weg von Fairbanks hoch nach Prudhoe Bay auch die einzige offizielle Übernachtungsmöglichkeit mit Tankstelle, kleinem Restaurant, einem teuren Laden und der Rezeption für ein Containerhotel.
An der Rezeption helfe ich einem älteren Deutschen weiter, der alleine den Yukon herunterpaddelt und der arge Schwierigkeiten mit Wetter und Strömung hat. Darüber hinaus spricht er auch fast kein Englisch. Von seinen Strapazen will er sich nun eine Nacht in einem „ordentlichen“ Bett erholen. Auch eine Reisegesellschaft, die mit einem Bus unterwegs ist, übernachtet her. Für die ist aber hier Schluss, denn mit großen Bussen geht es glücklicherweise noch nicht bis ans Ende der Straße. Ich tanke voll und baue mein Zelt etwas abseits hinter einem Busch auf. Fürs Zelten muss man hier noch nichts bezahlen. Dann koche ich mir mein Abendessen und schreibe diese Zeilen. Gleich werde ich mich in meinen Schlafsack rollen, um früh nach Norden zu starten.

Alaska Tagebuch Teil 7

 

Alaska Tagebuch Teil 7

Prudhoe Bay erreicht, Do., 20.07.2006

Geschafft, nach einer wahren Regen- und Schlammschlacht bin ich über den Polarkreis gefahren und habe Prudhoe Bay erreicht. Gerade habe ich gesehen - das schreibe ich am 21.07., dass meine beiden Versuche, von vor Ort einen Eintrag unterzubringen, gescheitert sind. Die $$$ hat der Ticker am Computer im Prudhoe Bay Hotel geschluckt, aber nichts eingetragen. So werde ich das bei Gelegenheit nachholen.

Alaska Tagebuch Teil 8

 

Alaska Tagebuch Teil 8

Am Ende der Welt - Prudhoe Bay, Do., 20.07.2006

Geschafft! Nach erst sonniger Tour zum Schluss eine wahre Schlammschlacht, aber das Lachen ist mir nicht vergangen. Auch kurz nach meiner Ankunft am Ende der Welt, in Prudhoe Bay, scheint die Sonne. So soll es sein. Gleich geht es noch durch das Ölfeld zum Meer. Trotz der frischen Temperaturen werde ich die Badehose mitnehmen, mal sehen, ob ich mich überwinden kann. Voll getankt habe ich schon wieder, danach steht also dem Rückweg fast nichts mehr im Wege.

Alaska Tagebuch Teil 9

 

Alaska Tagebuch Teil 9

Am Ende der Welt - Prudhoe Bay, Do., 20.07.2006

Der nördlichste Punkt ist erreicht, Prudhoe Bay, das Ende der Welt. Nach anfänglich gutem Wetter war es zwischendurch eine wahre Schlammschlacht, aber das Lachen ist mir nicht vergangen. Gleich geht es durch die Ölfelder zum Meer. Und dann… Ich werde sehen.
Auf alle Fälle geht es wieder 700 km Piste zurück. Die Eindrücke sind riesig - entlang der Pipeline erst die Taiga, dann Tundra - scheinbar ohne Ende.
Inzwischen stelle ich fest, dass meine Mails scheinbar nicht durchgehen. Mal stürzt was ab, mal überrascht mich das Ende der eingegebenen Münzen.

Alaska Tagebuch Teil 10

 

Alaska Tagebuch Teil 10

Als Polarbär in Prudhoe Bay, Fr., 21.07.2006

Ich bin also wieder zurück in Fairbanks. Das Nordmeer habe ich erreicht und bin gut wieder zurückgekommen. Die Leute sind sehr nett hier. Wenn du dich aber etwas länger mit ihnen unterhältst, erweisen sie sich oft als ein bisschen oberflächlich. Manches Mal sogar sehr. Und sie sind, was andere als lokale Probleme betrifft, recht wenig informiert, eher unwissend. Unabhängig davon ist es schön, hier unterwegs zu sein. Adler, Bären, Bisons, Karibus, Moose/Elche, Fuchse, alle habe ich unterwegs gesehen. Jetzt bin ich gerade von der Fahrt auf dem Dalton Highway zurück und ein bisschen kaputt. Aber es hat sich gelohnt, es war großartig.
Es gibt es hier solche Spinner, die müssen unbedingt, wenn sie dort im Norden, in Prudhoe Bay, am Ende aller Straßen, angekommen sind, ins Wasser springen. Die werden dafür dann Polarbären genannt. Und ich bin nun einer von ihnen. Ehrlich. Es war ziemlich kalt. Dieser Ausflug zum Nordpolarmeer ist aber auch nur in Verbindung mit einer Tour möglich, die man vor Ort buchen muss, weil man sonst nicht durch das Gelände der Ölfelder ans Meer kommt. Das hab ich also gemacht.

In Fairbanks hatte ich mich vorübergehend von meinen Begleitern getrennt. Für sie ist die Aussicht, über 800 km in eine Sackgasse zu fahren – und entsprechend zurück, zumal überwiegend auf Piste – wenig verlockend. Deshalb haben wir uns am Visitor Center im Denali National Park verabredet. Zumindest wollen wir dort Nachrichten über unseren jeweiligen Aufenthaltsort hinterlassen. Früh am Morgen, als fast alle noch schlafen, deponiere ich den Großteil meines Gepäcks in einem Raum unserer Unterkunft bis zu meiner Rückkehr und mache mich dann auf den Weg zum Ende aller Straßen nach Prudhoe Bay. Dort liegt das größte Ölvorkommen Nordamerikas. Dort ist auch der Startpunkt der Trans-Alaska Pipeline, die durch das ganze Land bis hin zum Nordpazifik führt. An der Prudhoe Bay endet der Dalton Highway, der einzige Straßenzugang nach Nordalaska. Eine Fahrt auf dem Highway ist ein unvergessliches Erlebnis, anstelle moderner Infrastruktur bieten sich wunderbare Ausblicke in die nordische Landschaft.
Nach einem kleinen Frühstück verlasse ich unsere Unterkunft, schlängele mich aus Fairbanks hinaus. Anschließend geht es noch etwa 100 km auf geteerter Straße nach Norden. Insgesamt sind es etwa 400 km bis Coldfoot zur einzigen Tankstelle auf halbem Wege nach Prudhoe Bay, davon der weitaus größte Teil Piste. Das an sich wäre nicht so schlimm, aber mit dem einsetzendem Regen macht das nicht wirklich Spaß. Parallel zur Piste ist die Pipeline zu sehen, mal weiter weg, mal in unmittelbarer Nähe, gelegentlich führt die Straße sogar über sie hinweg. Stichstraßen führen an sie heran. Auf den dunkelroten erdbebensichern Stützpfeilern sind deutlich die Kühlrippen zur Ableitung der Wärme zu erkennen. In großen Abständen, meist etwas versteckt gelegen, sind die Pumpstationen zu erkennen.
Dann erreiche ich die riesige Holzbrücke über den Yukon. An dem Rastplatz dahinter mache ich eine Pause und einen Fotostopp. Auf dem Platz komme mit einigen Deutschen ins Gespräch, die mit ihren umgebauten Wohnmobilen unterwegs sind, u.a. ein riesiger Magirus und ein Landrover. Klaus mit der KTM hatten sie schon gesehen, er sei am Tage zuvor nach Norden vorbeigefahren. Noch ist es trocken.
Der Himmel wird dunkler, es riecht nach Regen. Etwas später fängt es an zu regnen. Nicht schön, aber lässt sich auch nicht ändern. Etwas später hört es auf und bei Sonnenschein erreiche ich Coldfoot - Nomen ist Omen. Das ist auch auf dem Weg von Fairbanks hoch nach Prudhoe Bay die einzige offizielle Übernachtungsmöglichkeit: Tankstelle, kleines Restaurant, teurer Laden und Rezeption für ein Containerhotel.
An der Rezeption helfe ich einem älteren Deutschen weiter, der alleine den Yukon runterpaddelt und arge Schwierigkeiten mit Wetter und Strömung hat, darüber hinaus auch fast kein Englisch spricht. Von seinen Strapazen will er sich eine Nacht in einem „ordentlichen“ Bett erholen. Auch eine Reisegesellschaft, die mit einem Bus unterwegs ist, übernachtet her. Für die ist aber hier Schluss – mit großen Bussen geht es glücklicherweise noch nicht bis ans Ende der Straße. Ich tanke voll und baue mein Zelt hinter einem Busch auf. Fürs Zelten muss man hier noch nichts bezahlen. Ich koche mir mein Abendessen und rolle mich dann in den Schlafsack.
Es ist eine ruhige, aber kurze Nacht. Schon nach wenigen Stunden blinzeln mir die Sonnenstrahlen durch das Moskitonetz ins Gesicht. Während das Kaffeewasser heiß wird, packe ich mein Zelt und die übrige Ausrüstung zusammen. Nachdem alles verpackt ist, spaziere ich noch eine Runde durch das Gelände. Überall steht schweres Gerät herum. Alte Fahrzeuge vom Bau der Straße und der Pipeline, mehr oder weniger heil. Jeder Schritt vorwärts bringt neue Eindrücke und Überraschungen – Fotomotive ohne Ende. Ich muss mich losreißen, um mich auf den Weg nach Norden zu machen. Es ist sowieso kein Problem, denn auf dem Rückweg komme ich hier zwangsläufig wieder vorbei. Weiter geht es. Meist geradeaus, ein wenig geschwungen, dem Gelände angepasst. Langsam ist die Steigung zu spüren. Die Piste führt auf die Brooks Range zu, die Fortsetzung der Rocky Mountains hier oben, die ich auf dem Weg nach Prudhoe Bay queren muss. Bei der Anfahrt auf den Gebirgszug ist es noch trocken, aber die Wolken über den Gipfeln verheißen nichts Gutes. Tatsächlich, schon vor dem Pass beginnt es zu nieseln. Die anfangs wenigen Tropfen gehen immer mehr in einen feinen Regen über.
Jenseits des Passes steigert sich der Regen auf den nächsten 200 km nach Prudhoe Bay intervallartig und allmählich sehe ich wie ein Erdferkel aus. Graubeige. Das steigert sich noch, wenn die großen Lastwagen, von Norden kommend, an mir vorbeifahren und eine endlos erscheinende Gischtwolke aus fein versprühtem Schlamm hinter sich her ziehen. Sobald einer dieser Riesentruck auf mich zukommt, halte ich mich auf der Piste möglichst weit rechts und lege die linke Hand vor das Visier, um die Schlammpackung so gering wie möglich werden zu lassen.
Leicht wellig ist das Gelände inzwischen. Der Baumbestand ist nahezu verschwunden. Aus dem Nieselregen kommen zwei kleine Punkte auf mich zu, die langsam größer werden. Zwei Motorradfahrer sind nach einer Weile zu erkennen. Es sind Klaus und ein Amerikaner, mit dem er schon einen Weile zusammen fährt. Nunmehr auf dem Weg nach Süden. Gelegenheit für ein kurzes Schwätzchen in einer Regenpause. Und Zeit für eine wichtige Reparatur. Wir bauen die hintere Bremszange von Klaus` KTM ab und binden sie hoch – die Beläge sind bis aufs Eisen runtergeschliffen und er hat noch über 600 Km bis Fairbanks vor sich. Dort, so hofft Klaus, sollen die georderten Bremsbeläge eingetroffen sein. Falls das nicht der Fall sein soll, biete ich ihm an, auf mich zu warten. Dann könnten wir aus einem Satz Ersatzbeläge, die ich für meine BMW dabei habe, etwas Passendes für sein KTM basteln. Wir verabreden als Treffpunkt das Visitor Center im Denali Nationalpark. Dann verabschieden uns und fahren in unterschiedlicher Richtung auseinander.
Weiter geht es nach Norden. Die Landschaft ist inzwischen topfeben. Glücklicherweise regnet es inzwischen fast nicht mehr, aber es ist noch genügend Feuchtigkeit in der Luft. Mit mir umfahren riesige Laster den Lake Colleen, bevor sie über einen Kontrollposten das Gelände von British Petroleum erreichen. Dort ist aber für mich Schluss. Zwei Schilder hat der Konzern dort aufgestellt. Ein Schild warnt die Lasterfahrer, dass „Vorfahrt für Karibus“ gilt, das andere weist darauf hin, dass niemand die Anlage ohne Passierschein betreten darf und dass Alkohol und andere Drogen genauso wie Waffen verboten sind. Das heißt für mich, nach links abbiegen und erst nach Deadhorse fahren, der Barackensiedlung am Eingang zu Prudhoe Bay.
Kurz nach 15 Uhr bin ich dort. Im Hotel, dem „Arctic Caribou Inn“ ist der Infopunkt, an dem man die Tickets für den Besuch der Anlage bekommen kann. Schade, die Tour über das Ölfördergelände ans Nordmeer habe ich gerade verpasst. Die nächste geht erst in knapp zwei Stunden, um 17 Uhr. Also kaufe ich mir ein Ticket für die nächste Tour und mache mich dran, erst einmal das Motorrad warten und wieder voll zu tanken. Unvorstellbar, wie die BMW aussieht. Mit Wasser versuche ich die vollgesetzten Kühlrippen der Zylinder von dem grauen, festen Schlamm zu reinigen. Aber das geht nur mäßig. Im Kantinencontainer warte ich bei einem Kaffee noch eine Weile, bis die Tour durch das BP Feld startet und nutze die Zeit auch, um über das Internetcafé mein Reisetagebuch zu vervollständigen – nicht so richtig erfolgreich, wie oben zu lesen ist.
Pünktlich um 17 Uhr startet die Tour in einem Kleinbus. Außer mir sind nur wenige andere Gäste im Bus, der uns auf einer recht eindrucksvollen Fahrt durch das Bohr- und Pumpfeldgelände bis hin zum Meer bringt. Bei dem Stopp dort nehme ich die Gelegenheit wahr und springe nur mit der Badehose bekleidet ins eiskalte Wasser. Neben mir geht auch eine fünfköpfige amerikanische Familie in Wasser – allerdings voll bekleidet!!! Nachdem ich mich abgetrocknet und umgezogen habe, gönne ich mir an diesem Ort eine Zigarre. Eines meiner Ziele habe ich erreicht!
Nach der Rückkehr ins Camp überlege ich, über Nacht hier zu bleiben und frage nach den Übernachtungskosten. 126 $ US soll die Übernachtung hier im Containerhotel kosten. Das ist mir schlichtweg zu viel. Ich entscheide mich für den Rückweg nach Coldfoot. Eigentlich sollte das kein Problem sein, zumal es noch lange nicht dunkel ist. Also, noch zwei weitere Kaffee und ich fahre los.
Es ist, als ob ich auf einem riesigen Seeboden fahren würde. Eine ganze Zeit nieselt es weiter und anfangs ist die Sicht auch durch die tiefhängenden Wolken eingeschränkt. Nur ein schmaler Streifen Helligkeit im Südwesten. Die wenigen Lastwagen, die mir entgegenkommen, wirken vor dem etwas unwirklichen Himmel aus der Ferne wie riesige Insekten. Unangenehm ist es immer dann, wenn diese großen Lastzüge auf meiner Höhe waren, weil sie eine endlos erscheinende Gischtwolke hinter sich herzogen. Aber es sind glücklicherweise nicht so viele, die auf mich zukommen. Nach einer Weile wird es langsam dämmerig.
Aus der topfebenen Landschaft steigt die Straße nahezu unmerklich an. Die Tundra geht wieder in eine Krüppelwaldlandschaft über. In der Ferne zieht ein Rudel Wölfe dahin. In großem Abstand von der Piste sind die Lichter einer Pumpstation der Alaska Pipeline zu sehen. Langsam wird der Anstieg der Straße deutlicher, die ersten Kurven tauchen auf. Dann wird es doch wieder dunkler. Als ich nun schon deutlich nach Mitternacht über den höchsten Pass der Brooks Range fahre, ist das Licht gerade so, dass ich die Kamera zum Fotografieren auflegen muss. Die gelegentlichen Leitplanken, Steine oder auch mal der Tankrucksack meines Motorrades dienen mir als Stativ. Wären da nicht die regenträchtigen Wolken gewesen, die die Lichtmenge verknappten, wäre das sicher auch ohne aufzulegen gegangen.
Diese nächtliche Fahrt durch die einsame Brooks Range ist ein geradezu grandioses Erlebnis, vom Gesamteindruck fast unbeschreiblich. Diese endlos erscheinende Weite nach Norden hin, durch die ich gerade gekommen bin. Dieses graublauschwarz schattierte Bergmassiv, auf das ich nun zu fahre. Gelegentlich sind einzelne Karibus zu sehen, die mal näher, mal weiter weg sind. Sie bewegen sich parallel zu mir. Die Passabfahrt erscheint endlos lang, ich lasse die GS voll laufen. Das macht richtig Spaß! Das Herz geht mir fast über von der Fülle der Eindrücke, die auf mich einprasseln. Immer wieder muss ich mich aber zur Konzentration ermahnen. So ein Karibu oder gar ein Elch könnte die Fahrbahn kreuzen. Spurrinnen und Querrillen erfordern alle Aufmerksamkeit. Gelegentlich ein kleiner Schlag in der Lenkung, wenn ein Stein durch eines der Räder zur Seite geschossen wird.
Hellwach bin ich dann mit einem Mal, als kurz vor mir ein Elch die Fahrbahn quert. Sechs Stunden nach meiner Abfahrt von Prudhoe Bay bin ich wieder in Coldfoot.
Dort tanke ich erst einmal und lege mich unter einen Unterstand, zu faul, das Zelt aufzubauen. Nach einer Stunde bin ich wieder wach. Die ganzen Eindrücke der letzten Stunden schwirrten mir durch meine Träume. Ich koche mir einen Kaffee, frühstücke und fahre weiter nach Süden. Inzwischen beginnt die Sonne immer stärker zu scheinen. Das Fireweed, bei uns als Schmalblättriges Weidenröschen bekannt, bedeckt als Pionierpflanze ganze Landstriche, insbesondere nach Waldbränden. Jetzt im Sonnenlicht sehen diese lila Blumen großartig aus und bilden einen wunderbaren Kontrast zu dem dunklen Grün der Tannen und dem Grauschwarz der von den Waldbränden übriggelassenen Baumstümpfe.
Ich halte mal wieder zu einem Fotostopp an und fummele die Kamera aus dem Tankrucksack heraus, als ich wegen eines undefinierbaren Geräusches hochblicke. Ich glaube es kaum. Keine zehn Meter von mir entfernt steht ein Elch, dem ich in die Augen schaue. Wir sind beide überrascht und ehe ich die Kamera schussbereit habe, hat sich der Elch auch schon umgedreht und ich sehe nur noch sein Hinterteil im Gesträuch verschwinden. Da es trocken ist, fahre ich wieder mit der umgehängten Kamera weiter. Eine solche Gelegenheit will ich nicht wieder verpassen. Aber auf diesem Streckenabschnitt kommt mir kein Elch mehr so nahe.
Dann erreiche ich wieder eine große Straßenbaustelle, durch die es nur mit Pilotfahrzeug und im Konvoi hindurch geht. Ob die glauben, dass man sich auf dieser einen Straße verfahren könne? Die Sonne wird immer kräftiger, allmählich schlägt die Müdigkeit durch. Ich halte an und lege mich für einen Moment ins Gras. Diese kleine Pause mit dem kurzen Nickerchen erfrischt ungemein.
Kurz danach hat mich der Asphalt wieder und 100 km später rolle ich in Fairbanks ein. Ein kleiner Imbiss und ein größerer Einkauf bringen mich wieder in Schwung. Und nun sitze ich in der Bücherei am PC und schreibe diese Zeilen.
Gleich werde ich noch mein zurückgelassenes Gepäck abholen und dann fahre ich von Fairbanks weiter zum Denali, um meine Mitreisenden zu treffen.

Alaska Tagebuch Teil 11

 

Alaska Tagebuch Teil 11

In Denali National Park, So., 23.07.2006

Häufig ist immer dann, wenn die Zeit zum Schreiben da wäre, kein PC in erreichbarer Nähe. So gibt es mal die Gelegenheit, in dem einen oder anderen professionellen PC Laden, Buchgeschäft oder ähnlichem für ein paar Minuten gegen Gebühr ins Netz zu gehen. Hier in Alaska versuchen wir eine offene Bücherhalle zu finden. Die haben nämlich einen freien Internetzugang. Oder ich gehe in ein Hotel und versuche das Internet dort zu nutzen, in dem ich meine Motorradjacken ausziehe und sie gegen die gute Windstopperjacke von Rukka eintausche. Dann sieht es eher aus, als sei ich Gast des Hauses. Und das klappt recht gut.  

Nun zu meiner Tour zum Denali.
Die Rückkehr vom Dalton Highway war ab Coldfoot eher eine Staubschlacht, denn inzwischen war die Sonne mit aller Kraft zurückgekommen. Es war sehr warm in Fairbanks. Nachdem ich wieder getankt und ein wenig eingekauft hatte, holte ich meine große Tasche ab, die ich aus Gewichtsgründen in unserer dortigen Unterkunft zurückgelassen hatte. Dann ging es über den Parks HWY zum Denali Park. Eindrucksvoll, schon nach wenigen Kilometern ist man aus Fairbanks draußen und dann mitten in Wald. Der Parks Highway schlängelt sich auf einem Bergrücken nach Süden. Immer wieder gibt es weite Ausblicke in die breiten Täler zu beiden Seiten. Im Süden steigen weiße Rauchfahnen auf, die auf die zahlreichen Waldbrände hindeuten.

Endlich erreiche ich den Ort Denali. Um mich herum ein Gewusel an Hotels und Parkplätzen für die riesigen Wohnmobile, RVs genannt. Ich fahre durch die verschiedenen RV-Parks und Campgrounds auf der Suche nach meinen Leuten, die hierher vorgefahren waren, weil sie sich die Fahrt nach Prudhoe Bay nicht hatten antun wollen. Aber auch auf dem Campingplatz des Nationalparks finde ich sie nicht. Sicherlich haben sie eine Nachricht im Denali Park Visitor Center mit einer Wegbeschreibung hinterlegt, damit ich weiß, wo sie untergekommen sind. Aber das hat leider schon zu. Probiere ich es eben morgen früh wieder.
Blöd, angeblich ist der Campingplatz des Nationalparks völlig ausgebucht. Aber ein paar junge Leute, mit denen ich wegen meiner völlig verdreckten BMW ins Gespräch komme, laden mich ein, mein Zelt auf ihrem Platz mit aufzustellen. Während ich ablade, werde ich immer wieder auf mein Motorrad angesprochen. Viele der Gespräche gehen deutlich tiefer, als ich sie bisher hatte, auch über Politik, u.a. mit einigen Soldaten, die hier im Park ihren Urlaub verbringen.

Am nächsten Morgen finde ich leider im Visitor Center keine Nachricht vor, treffe aber unterwegs auf Axels Motorrad, der so schien es, zu einer Wanderung aufgebrochen war. Ich hinterlasse ihm eine Nachricht, die ich an sein Cockpit klemme. Dann buche ich für den nächsten Tag eine Fahrt mit dem Bus in den Nationalpark - den man - bis auf wenige Ausnahmen - nicht mit dem eigenen Fahrzeug befahren darf. Gut so.
Die Schweißerei am Seitenständer, die ich in Tok hatte machen lassen, hielt schon lange nicht mehr. Das stümperhafte Geklebe in der Werkstatt dort ärgert mich fast jeden Tag. Inzwischen versagte der Seitenständer immer mehr. Dazu ist das Aufbocken auf den Hauptständer bei der 100 GS von Haus aus keine Freude und mit dem mitgeführten Gepäck ist es nahezu unmöglich. So habe ich mir immer wieder beim Anhalten einen Ort gesucht, an dem ich das Motorrad anlehnen kann. Und das ist nicht immer leicht. Es wird also dringend notwendig, das zu ändern. Also fahre ich nach Denali zu einer Tankstelle, um mich dort zu erkundigen, wo es eine Möglichkeit zum Schweißen gäbe.
Genau an dieser Tankstelle treffe ich auf Ellen und Götz. Die Freude ist groß, sie geben mir die Wegbeschreibung zum Grizzly Campground, auf dem sie untergekommen sind. Er liegt einige Meilen südlicher, denn bei ihrer Ankunft war in Denali und am Nationalpark auch schon alles ausgebucht. Während wir uns noch unterhalten, schlägt auch noch Ryan auf, den wir am Sea to Sky HWY getroffen hatten, als wir wegen Ellens defekter Batterie eine Zwangspause einlegen mussten. Große Wiedersehensfreude. Er berichtet, dass er die Kupferschlangen, die er aus Seattle mitgebracht hätte, schon installiert hätte und dass damit also seiner eigenen Bierproduktion nichts mehr im Wege stünde.
An der Tankstelle hatte ich den Hinweis auf eine Werkstatt im nächsten Ort bekommen, in der man vernünftig schweißen lassen könne. Auf der Fahrt dahin sehe ich eine große Halle und davor allerlei Straßenbaumaschinen. Mir kommt ein Gedanke. Das ist doch ein Versuch wert. Wenn die dort an den Lastwagen und Baumaschinen reparieren, dann werden die dort auch sicherlich vernünftig schweißen können. Also hin und gefragt. Ich muss einen Moment warten und schaue erst Ray zu, wie er mit seinem Schweizer Messer an einem Betonmischer die fehlerhafte Elektrik repariert. Auf meinen fragenden Blick antwortet er: „Swiss Army helps“. Die weitere Wartezeit verkürze ich damit, dass ich meine BMW so gründlich wie möglich wasche. Der Dreck ist hart wie Beton. Aber langsam weicht das Wasser den Dreck auf, allmählich werden die Kühlrippen frei und das Ergebnis ist ein fast sauberes Motorrad. Dann zieht Ray eine Supernaht und der Seitenständer ist wieder sicher und voll funktionsfähig. Anschließend unterhalte ich mich noch mit ihm bei einer Cola über Gott und die Welt, über Reisen, seine weltweiten Einsätze als Schweißer, über das Leben in Alaska und höre mir seine Meinung über amerikanische Innen- und Außenpolitik an. Armer George Bush, dem müssten die Ohren geklungen haben. Zurück in Denali stoppe ich wieder am Visitor Center und schlendere durch die Ausstellung, die über den Park informiert. Dann fahre ich zum Grizzly Campground und treffe auf alle meine Mitreisenden. Gemeinsam bereiten wir uns ein schönes Abendessen und reden noch lange über das, was wir in der Zwischenzeit erlebt haben.

Am nächsten Morgen muss ich schon früh los, denn die Bustour startet um 9:00 Uhr. Ich habe riesiges Glück. Der Tag ist unglaublich klar und wir sehen den Mt. McKinley ohne jede Wolke. Völlig ungewöhnlich, wie unsere Busfahrerin und Parkrangerin erklärt. Meistens sei er von Wolken verhangen. Unterwegs sehen wir immer wieder die verschiedensten Tiere, meist jedoch in größerer Entfernung. Doch dann haben wir Glück. Nicht nur Schneehühner und Karibus sind in unmittelbarer Nähe. Zu allem Glück wetzen dann auch noch zwei große Bären auf der Straße direkt am Bus vorbei. Bei der Geschwindigkeit, die die drauf haben, wär es sicherlich unmöglich gewesen, vor ihnen wegzulaufen. Die Rangerin gibt eine entsprechende Meldung an die Zentrale und erklärt uns, dass es sich bei den beiden um zwei Halbstarke handeln würde, die schon mehrfach Unfug getrieben hätten. Immer wieder halten wir an, haben auch Gelegenheit zu kurzen Rundgängen und guten Möglichkeiten zum Fotografieren. Vor allem die Ausblicke auf den schneebedeckten Mount McKinley vor dem klaren blauen Himmel begeistern immer wieder.
Nach der Rückkehr ins Camp und einem guten Abendessen mit einem abschließenden Bier - oder auch dreien - schlafe ich, überwältigt von den Eindrücken, rasch ein.

Alaska Tagebuch Teil 12

 

Alaska Tagebuch Teil 12

Portage Bay im Regen, Di., 25.07.2006

Der Blick auf den morgendlichen Himmel verheißt nichts Gutes. Eine Regenfront zieht auf. Wir packen zügig unsere Sachen und fahren weiter nach Süden. Doch dann erwischt es mich doch. Nach der letzten Tankstelle fehlt der sonst übliche Hinweis auf die nächste und dann nützt auch ein 36 Liter Tank nichts. Ohne Sprit bleibe ich stehen. Über unsere Benzinbehälter für unsere guten MSR-Kocher - Danke Dirk - und meine Schlauchpumpe füllen wir Benzin nach. Weit ist es ja nicht mehr zur nächsten Tankstelle. Aber die angedachte Tankstelle kommt nicht. Wir müssen die Benzinpumpübung also noch ein zweites Mal veranstalten. 160 km sind eben doch weit. Dann erreichen wir Anchorage. Als wir dort sind, beginnt es leider wieder leicht zu regnen. Ein Abstecher führt zu dem riesigen Wasserflugplatz der Stadt. Wir schauen eine Weile dem hektischen Treiben auf den Wasserflächen zu. Als wir die Stadt verlassen, beginnt es so zu schütten, so dass wir nur relativ wenig von diesem Teil des Cook Inlet sehen, diesem großartigen Fjord im Süden der Stadt. Der Regen begleitet uns ein Stück und wir beschließen, so bald wie möglich eine Unterkunft zu suchen. Wir haben Glück und finden bei Portage einen Campground mit Holzhütten. Dort nisten wir uns zu ganz guten Bedingungen ein.
Als es auch heute Morgen nicht besser war und die Wetteraussichten zumindest für den ganzen Tag nicht viel Gutes verheißen, beschließen wir, hier zu bleiben, um den Durchzug der Wetterfront abzuwarten. Von hier aus können wir gut unsere Ausflüge unternehmen. Dazu kommt, dass wir auf diesem Platz auch alle Kochmöglichkeiten nutzen können. Gestern Abend fiel das Duschen aus, da durch den Sturm ein Baum auf eine Stromleitung gefallen war und so die Pumpe nicht funktionierte. Ein wenig kaltes Wasser musste reichen. Aber es gibt Schlimmeres. Morgen wollen wir ein paar Touren auf der Kenai Halbinsel unternehmen.

Alaska Tagebuch Teil 13

 

Alaska Tagebuch Teil 13

Unterwegs auf der Kenai Halbinsel, Mi., 26.07.2006

Die Wolkendecke reißt frühmorgens ein wenig auf, der Tag verspricht wieder besser zu werden. Durch eine großartige Berglandschaft fahren wir auf der Kenai Halbinsel den Sterling Highway über Copper Landing und Soldotna an den Cook Inlet. Diese Hauptverkehrsstraße verbindet den Seward Highway südlich von Anchorage mit Homer und ist Teil der Alaska Route 1.

Bei Ninilchik treffen wir auf die Überreste einer alten russischen Siedlung. Eine liebevoll gepflegte Holzkirche, die aussieht, als stünde sie irgendwo in Sibirien, ist von einem Friedhof mit orthodoxen Gräbern umgeben. Russische Namen sind zu lesen, allerdings in Latein und nicht auf kyrillisch. Unterhalb des Hangs, auf dem die Kirche steht, hinter dem Ort, am Eingang zum kleinen Hafen, machen wir unsere Mittagspause und sehen der rasch auflaufenden Flut zu. Die ersten Lachse kommen mit dem auflaufenden Wasser und schlängeln sich in den kleinen Fluss. Wir sehen noch einem Ehepaar zu, das Muscheln säubert, die es kurz zuvor bei Ebbe gesammelt hatte. „Clamming“ nennen die Muschelsucher ihr Hobby, dem sie hier frönen. Bei Ebbe brechen die „Clammer“ zur Ninilchik Beach auf, wie das Paar, das wir hier treffen. Sie hatten eine gute Ausbeute mitgebracht: Dieses Mal hatten sie eine der riesigen Razor Clam erbeutet, die für Muschelliebhaber das Höchste der Gefühle bedeutet.

Ninilchik ist die älteste Besiedlung auf der Kenai Halbinsel. Ursprünglich wurde die Gegend von athapaskischen Tanaina-Indianern zum Jagen und Fischen genutzt. Der Name bedeutet in ihrer Sprache so viel wie „Friedliche Siedlung an einem Fluss“. Die ersten Europäer, die in Ninilchik siedelten, waren in den 1820er Jahren Russen, denn die Russian-American Company gründete hier eine Siedlung. Angestellte der Company, die für die beschwerliche Rückreise nach Russland zu alt oder zu  krank waren, sollten hier ein letztes Zuhause finden. Bald zogen weitere Siedler aus Russland nach, um sich als Fischer, Jäger oder Fallensteller ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 1867 verkaufte Russland Alaska an die USA. Dennoch blieben die meisten der russischen Bewohner hier. Ihre Nachkommen bilden bis heute den Kern der Gemeinde. 1896 wurde eine Schule gebaut und 1901 die russisch-orthodoxe Kirche an ihrem heutigen Platz neu errichtet. Mit seinen grasbewachsenen Blockhütten, malerischen Fischerbooten und dem Vulkan Mount Redoubt im Hintergrund ist heute der alte Ort ein malerisches Postkartenmotiv. Einige Gebäude aus der früheren Zeit sind noch - zumindest restauriert - erhalten, unter anderem das Sorensen/Tupper Home aus dem Jahr 1895 und das Russian School House.
Wir schlendern noch durch den Ort. Neben dem kleinen General Store, der an ein Magazin erinnert, eines der unscheinbaren russischen Landkaufhäuser, steht ein alter Mann und säubert unter fließendem, eiskaltem Wasser Clams, Muscheln. Seine von der Kälte und dem Wasser angeschwollenen Hände faszinieren mich. Ich komme mit ihm ins Gespräch. Er erzählt über sein Dorf, seine Arbeit und dann lässt er sich sehr heftig über George W. aus, den, wie er ihn nennt, Großen Diktator in Washington. Wie so viele andere Orte auf der Kenai Halbinsel wurde auch Ninilchik durch das Karfreitagsbeben von 1964 stark beschädigt. Der Ort sackte einen Meter nach unten und versank großenteils im Cook Inlet. Entlang des Sterling Highways entstand „New Ninilchik“ neu.

Mit einem letzten Blick auf die russisch-orthodoxe Kirche fahren wir weiter. Bis auf die gelegentlichen Ausblicke auf den Fjord ist die Landschaft hinunter nach Homer nicht besonders spektakulär. Homer selbst hat auf Sportfischer aus aller Welt eine hohe Anziehungskraft, denn hier werden häufig sehr große Heilbutte gefangen. Über die Landzunge Homer Spit fahren wir bis an die Spitze vor und genehmigen uns dort im Hotel Land's End Resort einen für amerikanische Verhältnisse zur Abwechslung hervorragenden Kaffee. Bei der Lage und mit der Aussicht auf die Robben und Seeotter auf dem Kies nur wenige Meter vom Hotel überrascht mich die Qualität und vor allem der Preis - nur 1,50 $. Dagegen schlagen die hervorragenden Kuchenstücke mit 7 $ schon stärker zu Buche, aber sie sind dennoch ihren Preis wert.
Die nahe gelegene Halibut Cove ist eine Enklave für Fischer und Künstler, in der die Straßen aus Wasser sind. Auf dem Rückweg zu unserem Campground wollen wir noch in der berühmtesten Kneipe der Kenai Halbinsel stoppen. Der Salty Dawg Saloon im alten Leuchtturm ist nun die urigste Kneipe weit und breit, man sollte sie wegen der einmaligen Atmosphäre nicht verpassen. Die Wände dieses Ladens sind von innen mit 1-Dollar-Noten bepflastert, die teilweise mit Grüßen aus der ganzen Welt beschriftet sind. Dazu haben noch so manche Mädels ihren BH als Souvenir gespendet.
Dann noch Downtown Homer. Das ist der angesagte Platz, um köstliche Meeresfrüchte zu probieren, Kunstgalerien und Museen zu besuchen oder um in den Geschäften lokal (?) hergestellte Waren zu kaufen. Es soll die individuelle Kunst der angesiedelten Künstler aus der Umgebung sein, die man in der “Pioneer Avenue” erwerben kann. Dort reihen sich farbenfrohe Holzhäuser, Restaurants, Hotels und Galerien überschaubar aneinander und bilden so das kulturelle Zentrum von Homer und Umgebung.
Doch das machen wir erst später. Nach der Kaffeepause spiele ich hier wieder die Nummer „Hotelgast“ und kann so diese Zeilen schreiben. Mal sehen, wann ich wieder an einen PC kommen kann.

Alaska Tagebuch Teil 14

 

Alaska Tagebuch Teil 14

Seward und Valdez, Fr., 28.07.2006

Eine schöne Fahrt durch den Abend bringt uns zu unserer Unterkunft nach Portage zurück. Der Abend wird noch lang mit Gesprächen, auch mit einem netten Schweizer Paar, das schon länger mit den Fahrrädern unterwegs ist und noch nach Mexiko will. Ein nettes amerikanisches Ehepaar, von denen er mich stark an meinen Freund Edward aus New York erinnert, philosophiert mit uns über Politik - tiefgehende Gespräche, die ich anfangs vermisst hatte. Aber jetzt geht es. Den Abschluss bildet sein Zitat, das wir gelegentlich als Aufkleber auf einer Autostoßstange gesehen hatten: „Es ist Sommer in der Stadt und niemand vermisst diesen Idioten aus dem kleinen texanischen Dorf.“
Gestern sind wir dann Richtung Seward gefahren und haben von dort aus eine beeindruckende Wanderung zum Exit Gletscher gemacht.
Gut fünf Prozent von Alaskas Landfläche ist von Eis bedeckt. Riesige Eisfelder und Tausende Gletscher gibt es im nördlichsten Bundesstaat der USA, aber die meisten liegen aber so abgelegen, dass kaum ein Mensch sie bisher gesehen hat. Es gibt allerdings einige, die relativ leicht zu erreichen sind.
Der Exit Glacier befindet sich nur wenige Kilometer außerhalb von Seward. Die Zugangsstraße zweigt kurz vor Seward vom New Seward Highway ab und führt direkt zum Fuß des Gletschers. Schon auf der Zufahrt kann man von der Straße aus ein paar eindrucksvolle Blicke auf den Gletscher genießen. Besonders jetzt, wo so viele blühende Pflanzen am Wegesrand stehen, ergeben sich großartige Fotomotive.
Im Visitor Center bieten Ranger verschiedene Programme an, die über den Gletscher und seinen Einfluss auf die Natur informieren. Zum Beispiel eine zweistündige, von einem Ranger geführte Wanderung. Häufig sind es VIP = volunteer in the park, also Freiwillige im Nationalpark, die kompetent und freundlich zum Fuße des Gletschers führen und die Natur erklären. Es geht aber auch anders. Am Informationszentrum hängt eine große Wanderkarte aus, mittels der man entscheiden kann, welchen Weg man gehen möchte. Wir wählen "Edge of the Glacier", also direkt bis zur Kante des Gletschers. Leicht ansteigend gibt der Weg immer wieder kurze Blicke auf den Gletscher frei. Sieben Stunden waren wir unterwegs, fast 1.000 Höhenmeter haben wir zweimal zurückgelegt. Von der Talsohle geht es auf gutem Pfad durch Erlen- und Pappelwälder, dann durch Hochwiesen, Almen mit Erika bis über die Baumgrenze hinaus. Die letzten paar hundert Meter führt uns der Weg über die blankgeschliffenen Felsen, die der Gletscher noch in den letzten 20 Jahren bedeckt hatte. Der Weg ist aber gut gekennzeichnet und völlig problemlos zu gehen. Es geht ordentlich bergauf, ein schweißtreibende Aufstieg. Es folgen Geröll- und Schneefelder. Nachdem wir die Schutzhütte auf fast 1.000 Meter Höhe erreicht haben, ist der restliche Teil zum Eisfeld recht einfach zu gehen. Wir gehen weiter bis zu einem Platz, von wo wir gut auf den ca. 6 km langen Gletscher sehen können und überwältigt von dem phantastischen Ausblick fast zwei Stunden im Windschatten gesessen haben. Auch deshalb, weil vom Gletscher ein eiskalter Hauch herüber wehte.
Der Blick auf das Harding Eisfeld ist einfach grandios. Dieses Eisfeld ist die Quelle für mehr als ein halbes Dutzend Gletscher, unter anderem für den Exit Gletscher.
An den verschiedensten Stellen läuft Schmelzwasser heraus. Die Spalten und Risse erscheinen in den verschiedensten Blautönen, ganz im Gegensatz zu den vielen fast schwarzen Ablagerungen auf dem Gletscher. Manchmal ist es schwer zu unterscheiden, wo der Gletscher aufhört und das Geröll bzw. der Felsen anfängt. Es wird Zeit zurückzugehen, 1.000 Höhenmeter abwärts stehen an. Das erweist sich anstrengender als der Aufstieg, zumal mit der kompletten Fotoausrüstung auf der Schulter. Zum Schluss der Wanderung habe ich doch einige Probleme mit meinen Knien, war ich doch erst zum Jahresbeginn am rechten operiert worden. Aber letztendlich bin ich völlig zufrieden damit, wie gut es doch gelaufen ist.

Heute Morgen bin ich noch mit Axel nach Anchorage gefahren, um einige Ersatzteile zu besorgen und bei den Jungs von Alaska Rider (www.akrider.com) vorbei zu schauen. Nachdem wir zurück sind, packen wir unsere Sachen zusammen und verlassen unsere Unterkunft in Portage Bay endgültig. Leider ist es etwas diesig und regnerisch. Über die Portage Glacier Road fahren wir mit 65 Mph, der maximalen Höchstgeschwindigkeit in Alaska, zum Begich Boggs Visitor Center von Portage Bay. Viel ist vom Gletscher nicht zu sehen, es ist ausgesprochen diesig. Also fahren wir zügig weiter zum kostenpflichtigen Eisenbahntunnel nach Witthier, der nur jede Stunde für 15 Minuten für den Autoverkehr in Richtung Whittier geöffnet wird. Eine gute Alternative auf dem Weg nach Valdez, denn der Umweg über Land bedeutet gut 1.000 km Fahrt. Nach einer kurzen Wartezeit beginnt die Tunnelfahrt. Der Anton Anderson Memorial Tunnel, durch den man bis ca. 2001 die Autos ab Portage auf offenen Eisenbahnpritschenwagen transportiert hat, wurde dann wegen der steigenden Zahl an Fahrzeugen für die direkte Durchfahrt freigegeben, die aber strikt reguliert ist.
Der 4 km lange Tunnel darf mit max. 25 Mph, also 40 km/h befahren werden. Mitten in der Fahrbahn liegen die Eisenbahnschienen, denn die fährt hier auch noch regelmäßig durch. Dann kommt es auch zu Verzögerungen bei der Autodurchfahrt von bis zu 30 Minuten. Das ist für die Zeitplanung gut zu wissen.
Über Straßenbauarbeiten in Alaska und dem Yukon informiert das Internet. Viele der Baustellen sind teilweise über Monate in Betrieb, so dass es für die eigene Streckenplanung schon von Vorteil ist; wo man ggf. mit längeren Wartezeiten zu rechnen hat.
Auf der anderen Seite des Tunnels werden wir mit bestem Wetter begrüßt. Ein wenig suchen wir, dann erreichen wir das Fährterminal. Auf den ersten Blick sieht es nicht gerade einladend aus. Wir sehen trotzdem hinein und es ist auch schon jemand da. Unser Voucher wird sofort in ein Originalfährticket umgetauscht. Dann wird uns gesagt, wann wir in welcher Reihe zu stehen haben. Denn die Fahrzeuge werden nach Größe und Fahrtziel vorsortiert. Wir fahren noch im Ort herum, der wirklich nicht sehr einladend ist. Whittier ist nämlich, von dem Blick auf die Berge abgesehen, ohnehin kein touristisches Highlight. Auch ein kleiner Einkauf im Lebensmittelladen ist eher abschreckend, ein geringes Angebot, aber gesalzene Preise. Hier sind wir wirklich am "W" der Welt. Dann fahren wir auf den abgesperrten Parkplatz, der für jedes Fahrzeug extra von Hand geöffnet wird. Im Fährterminal warten wir dann auf die Abfahrt der Fähre.

Gut sechs Stunden dauert die ca. 150 km lange Überfahrt nach Valdez. Das ist sicherlich die bisher schönste und beeindruckteste Fährfahrt, die ich je unternommen habe. Es geht durch eine gigantische Fjordlandschaft mit Gletschern, Felsen, riesigen Bergen, Seelöwen und das alles bei strahlendem Sonnenschein. Einfach nur gut. Kurz nach der Abfahrt aus Whittier fahren wir an einem Vogelfelsen vorbei, durch den Prince William Sound und vorbei am Columbia Glacier, an dem die Fähre oft recht nahe vorbeifährt. Die Fähre ist allerdings kein Ausflugsschiff, das sich lange beim Gletscher aufhält, auch wenn sie langsamer als sonst üblich daran vorbeifährt. Dann wird von der Brücke ein Wal angekündigt, alle strömen an die Reling. Gerade noch rechtzeitig, um den Blas des Wales, das Ausstoßen der Atemluft zu sehen und die riesige, abtauchende Flunke. Dann ist alles schon wieder vorbei.
Inzwischen befinden wir uns auf dem Weg der Exxon Valdez, sehen zwischendurch immer noch Ölrückstände des Exxon-Valdez Unglücks vom 24. März 1989 und die Ölabfüllanlage.
Gleich nach unserer Ankunft in Valdez schlagen wir unsere Zelte auf einem Campingplatz auf und kommen mit unseren Zeltnachbarn ins Gespräch. Sie stammt aus Nürnberg und ist vor vielen Jahren mit „ihrem“ GI nach Amerika gegangen. Bei einem Bier klönen wir noch lange zusammen.

Alaska Tagebuch Teil 15

 

Alaska Tagebuch Teil 15

Tok Junction, Mo., 31.07.2006

Wir wachen in Valdez bei so tiefhängenden Wolken auf, dass wir das Ende des Campingplatzes nicht sehen können. Als ich vom Duschen zurück bin, kommen unsere “Nürnbergers” Nachbarn zu uns und schenken uns frisch gefangenen Lachs und Seezunge. Die waren die ganze Nacht draußen auf dem Fjord zum Angeln und waren sehr erfolgreich. Der Fang lässt sich sehen und das, was wir bekommen haben, wird sicher eine leckere Mahlzeit ergeben. Wir werden es uns mit Sicherheit gut munden lassen.
Götz und Ellen bleiben auf dem Campingplatz zurück. Sie wollen heute Vormittag noch an einer Tour zur Walbeobachtung teilnehmen. Mal sehen, was das bei der heutigen Sicht wird. Axel und ich machen uns auf den Weg.

Nach kurzer Zeit steigt die Straße deutlich an. Nachdem wir aus der Bucht von Valdez heraus und über den Thompson Pass gefahren sind, durchstoßen wir die Wolkendecke. Auf der anderen Bergseite verschwindet die Wolkendecke dann völlig. Der Himmel reißt auf, es wird sonnig mit traumhafter Sicht. Eine Stichstraße führt zu einem Parkplatz und einer Aussichtsstelle mit Informationstafeln über den Worthington Gletscher. Der Gletscher liegt in den Chugach Mountains. Ein Arm des Worthington Gletscher reicht bis fast an den Richardson Highway heran, die vorbeiführende Straße. Es ist wohl der am leichtesten zugängliche Gletscher Alaskas.
Eine kurze Wanderung führt uns an das Eis. Auf den Tafeln am Pfad erkennt man, wie sich der Gletscher seit 1850 zurückgezogen hat. Berechnungen und Beobachtungen haben aber ergeben, dass der Worthington Gletscher bei einem Klimawandel einer der letzten überdauernden Gletscher in der Gegend sein wird, bevorteilt dadurch, dass er im sonnengeschützen Teil Richtung Nordosten liegt. Auch die Fließgeschwindigkeit des Gletschers wird erforscht. Mit Hilfe eines Bohrlochs im Eis wurde festgestellt, dass sich der Gletscher im Zeitraum Juni/Juli und Juli/August am Grund nur um ca. 13 cm je Monat bewegte, an der Oberfläche jedoch über 20 cm.
Nach wenigen Metern kommen wir direkt an das Eis ran. Wir laufen auf den Gletscher und stehen in einer kleinen Eishöhle.

150 km weiter zweigt die McCarthy Straße ab. Wir tanken an einer winzigen Tankstelle, wie wir sie hier schon so oft erlebt hatten. Als wir zum Bezahlen rein gehen, sagt Axel in seiner witzigen Art: „20 h, das ist aber voll hier“ - zwei weitere Leute sind hier noch im Raum. Der weißbärtige alte Herr hinter dem Tresen antwortet: „Hast du ein Problem damit?“ Es folgen noch eine Reihe von spaßigen Wortspielereien und als Axel sich eine Zigarette in den Mund steckt, holt der Alte seine Flinte hervor und sagt: „Wenn du hier rauchst, werde ich dir Feuer geben“. Ein paar Kilometer weiter schlagen wir am Kenny Lake bei einer Tankstelle mit Campground mittags unsere Zelte auf, laden alles ab, essen eine Kleinigkeit und machen uns dann auf den Weg in den Wrangell-St. Elias Nat. Park. Das kurze Stück bis Chitina ist die Straße noch geteert, dann kommt eine Schotterpiste vom Feisten. Zunächst geht es am Flusstal des gewaltigen Copper River entlang, fast zu groß für das Vorstellungsvermögen. Über 100 km sind es bis nach McCarthy. Auf einer alten Eisenbahnbrücke geht es in gut 70 m Höhe über den tief eingeschnittenen Canyon. Zwischen den Holzbrettern ist das tosende Wasser des schäumenden wilden Flusses tief unter uns gut auszumachen. Großartig ist der Ausblick auf die tiefe Schlucht des Copper River. Auf der Strecke mache ich ein bisschen Endurotraining mit Axel. Er wird immer besser und wir fahren parallel, um uns nicht gegenseitig einzustauben. In einem Teich nahe der Straße weidet ein Elch. Wir halten und schauen ihm eine Weile zu.
Der Copper River Highway verläuft entlang und auf der ehemaligen Trasse der Copper River and Northwestern Railway bis zum Copper River. In einschlägigen Reiseführern und Foren wird vor den Problemen mit dieser Strecke gewarnt. Da sie auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke verläuft, soll man sich immer wieder die nicht weggeräumten Schwellennägel in die Reifen jagen. Aber nichts von alledem stimmt. Die Strecke ist gut zu befahren.

Nach über 100 km Fahrstrecke erreichen wir McCarthy, fahren über eine kleine Fußgängerbrücke auf die andere Seite des Flusses weiter nach Kennicott, einst reichste Kupfermine der Welt. Die Kennicott Copper Corporation begann im Jahr 1908 mit dem Bau der Mine, die im Jahr 1911 in Betrieb genommen wurde und rasch zahlreiche Arbeiter anlockte. Im Jahr 1938 wurde diese alte Kupfermine aufgelassen. Von dort wurde über McCarthy das Kupfer nach Cordova an den Golf von Alaska transportiert. Nach der Stilllegung des Kupferabbaus und Einstellung des Bahnverkehrs wurde McCarthy zur Geisterstadt. Erst in den 1970er Jahren, als die Region um Kennicott touristisch erschlossen wurde, siedelten sich wieder Menschen an. Die Ruinen der Minen von Kennicott, diese riesigen Holzgebäude stehen zum großen Teil noch.
Wie unwirklich schein es dieser Ort, die Erde durch und durch umgewühlt, die Holzgebäude riesig, zum Teil verfallen. An anderer Stelle ist einiges inzwischen wieder liebevoll restauriert worden und als Unterkunft für Gletscherwanderer eingerichtet. Sanfter Tourismus wird propagiert. Das erscheint ein wenig merkwürdig in dieser Umgebung, in der der Boden im Flusstal nicht vom Gletscher geformt wurde, sondern vom Menschen. Riesige Abraumhalden türmen sich auf. Alles ist aus dem Berg geholt, um an das Kupfer heran zu kommen.

Es wird Abend und wir machen uns auf den Rückweg. Glücklicherweise hat es auf dem Stück dazwischen ein wenig geregnet, so hält sich der Staub in Grenzen. Es ist auf der Piste eine schöne Fahrt wieder zurück. Dann hätte es Axel, der inzwischen mutiger geworden war, bei einer Kombination von tiefen Schlaglöchern fast verrissen. Ich sehe ihn schon fliegen, aber er hält sich auf seinem störrischen „V-Strom-Maultier”. Gut gemacht! Glück gehabt?!? Wieder sehen wir einen im Wasser grasenden Elch. Dann sind wir wieder am Copper River. Es regnet immer mehr. Auf den letzten Kilometern denke ich an die Geschichten, die ich über diese Straße gelesen habe. Wie schwierig sie sei, wie viel Reifenpannen man dort haben würde, wegen der Nägel, die von der ehemaligen Eisenbahnstrecke stammen, auf deren Trasse wir unterwegs waren. Nichts von alledem stimmt. Aber es ist halt so, geht mir gerade durch den Kopf: Landschaften, Straßen und Orte ändern sich, aber die Geschichten bleiben und werden eher grösser mit der Distanz und der Zeit.
Es prasselt ziemlich, als wir am Kenny Lake ankommen. Ein schnelles Abendessen im Restaurant der Tankstelle, bevor die nette Bedienung zusperrt, ein letztes Bier draußen unter einem Unterstand, dann geht es ins Zelt.
Prasselnder Regen weckt uns. Er hat über Nacht leider nicht aufgehört, wird aber deutlich weniger als wir unsere Zelte zusammen packen, frühstücken und uns dann auf den Weg nach Tok machen.

In Glennallen tanken wir wieder auf. Eine alte Dame spricht uns auf Deutsch an. Sie möchte wissen, was das HH auf unserem deutschen Nummernschild bedeutet. Ich erkläre es ihr. Sie war als junge Frau 1950 aus der DDR geflüchtet und über Friedland in die USA ausgewandert und so war ihr das Nummernschild nicht geläufig. Sie wünscht uns eine gute Weiterfahrt und schwingt sich dann hinter das Steuer ihres Wohnmobils mit den Ausmaßen eines großen Reisebusses bei uns in Deutschland. Als sie winkend bei uns vorbeifährt, sehen wir, dass sie im Schlepp noch einen Geländewagen haben. Nicht schlecht.
Dann erreichen wir den Tok-Cut-Off. Vor dieser Straße, der Abkürzung nach Tok, dem Tok-Cut-Off eben, hatten uns alle gewarnt. 100 Meilen, mindestens 50 sollten schwierigst zu befahren sein, eine riesige Baustelle, in der sich Tiefschotter und lange Schlammpassagen abwechseln sollen, eine der schlimmsten Pisten in dieser Gegend. Wir halten an und überlegen einen Moment. Dann fahren wir los. Kilometer um Kilometer. Nahezu nichts mehr von alledem. Abgesehen von ein paar kurzen Schotterstrecken - nichts. Haben wir uns verfahren? Kann doch nicht sein. Also doch die Geschichten, die mit der Entfernung wachsen. Immer wieder zwar kurze Abschnitte, die noch nicht geteert sind, aber eigentlich kein Problem! Dann - endlich - kurz vor Tok kommen noch einmal 16 km Piste, die es in sich haben. Aber das war es dann auch.

In Tok übernachteten wir wieder bei Ken auf dem Campingplatz, auf dem wir schon auf dem Hinweg gewesen waren. Wir haben uns gerade eingerichtet und ich will zum Einkaufen, als Götz und Ellen kommen. Es war leider nichts mit der Walbeobachtung, das Wetter ist schlecht geblieben. Auch hier hängt die Wolkendecke tief, so dass der angedachte Rundflug mit Kens Schwager für uns „ins Wasser fällt”.
Als ich am Visitor Center Erkundigungen einhole, um ins Internet zu kommen, treffe ich wieder auf Klaus aus Recklinghausen mit seiner KTM, mit dem wir immer wieder kurz zusammen gewesen waren. Ich nehme ihn zu uns mit und gemeinsam bereiten wir den Valdez-Lachs zu. Es wird ein feuchtfröhlicher Abend. Morgens sind wir entsprechend spät im Gange und das gibt mir noch die Gelegenheit, im Buchladen ins Internet zu gehen, um diesen Eintrag zu schreiben. Gleich geht es auf dem Alaska HWY wieder nach Süden.

Alaska Tagebuch Teil 16

 

Alaska Tagebuch Teil 16

Auf dem Weg nach Whitehorse, Di., 01.08.2006

Nach der langen Nacht sind wir an diesem Morgen entsprechend spät im Gange und das gibt mir noch die Gelegenheit, im Buchladen ins Internet zu gehen, um den letzten Eintrag zu schreiben.
Anschließend machten wir uns auf dem Alaska HWY wieder auf den Weg nach Süden mit Ziel Whitehorse. Da das Wetter noch nicht deutlich besser geworden ist - gelegentliche Schauer und eine Temperatur von nur 10° C, wie es uns ein Thermometer an einem Rastplatz kurz vor der amerikanischen Grenze anzeigte, entschlossen wir uns, den Abstecher zum Kuane Lake nicht machen, um dort zu übernachten, sondern wir fahren weiter nach Whitehorse. Unangenehm ist anfangs ein heftiger Gegenwind, der das Fahren nicht gerade zu einem Vergnügen werden lässt. Dann verdunkelt sich der Himmel zusehends, ein Wolkenbruch droht.
Die Entscheidung, gleich nach Whitehorse zu fahren, war gut. Wir finden eine gute Unterkunft, das Backpacker Hostel Hide on Jackell mit Internetzugang. So habe ich wieder Gelegenheit zu schreiben.

Alaska Tagebuch Teil 17

 

Alaska Tagebuch Teil 17

Whitehorse/Yukon, Di., 01.08.2006

Sie war recht frisch, die Fahrt auf dem Alaska HWY. Als wir noch kurz vor der Grenze tankten, zeigte das Thermometer gerade 10 C an. Aber in HH ist es inzwischen auch kühler geworden. Zwei Kaffee verbreiten wieder wohlige Wärme. Der Grenzübertritt nach Kanada ist völlig problemlos. Als ich meinen Pass vorlege, richtet uns die Grenzerin noch Gruß von Klaus aus, der schon vor uns hier durchgekommen war. Klaus wollte über Haines nach Süden fahren und entschied sich deswegen für eine andere Strecke. Der Regen hört auf, aber die Straße zieht sich breit dahin, mit heftigem Gegenwind. Wunderschön ist dann die Fahrt entlang des Kluene Lake, eine tolle Folge von Kurven kommt. Lange haben wir so etwas nicht mehr gefahren. Das macht wieder richtig Spaß. Leider ist der aber schnell zu Ende. Mit einer Baustelle wird das Ende dieser netten kurvenreichen Strecke eingeleitet. Breit, nur sanft schwingend wird er werden, der neue Alaska HWY, mit maximal 6 Prozent Steigung. Schade, zumal er mit einem Asphalt versehen ist, der Reifen frisst. Ein großer Grizzly entschwindet auch vom Rande dieser neuen Errungenschaft der Zivilisation. Am Himmel dräut Unheil, dicke blauschwarze Wolken türmen sich auf, dazwischen geballte schmutzig-weiße. Ein Regenbogen tut sich auf und Axel, der vor mir ist, fährt genau in den Regenbogen hinein. Ein schönes Bild.

Wir entschließen uns, nach Whitehorse durchzufahren, um dann dort einen Tag Pause zu haben. Vor Haines Junction läuft parallel zu unserer Straße die Trasse des alten Alaska Highways. Das wird hier so werden wie an der Route 66, wo man inzwischen auch schon nach den Ursprüngen suchen muss. Also doch: Landschaften, Straßen und Orte vergehen, aber die Geschichten bleiben bestehen.

Wir erreichen Whitehorse und kommen in einem witzigen Backpacker Hostel unter: Hide on Jackell - “For my part I travel not to go anywhere, but to go. I travel for the travel‘s sake. The great affair is not to move.” R. L. Stevenson.
Hier bleiben wir, hier scheint heute die Sonne. Axel und Götz können einen Ölwechsel machen lassen, Ellen und ich „puzzeln” und ich habe Gelegenheit, ein bisschen mit dem Tagebuchschreiben nachzukommen. Das wird auch Zeit, weil ich schon angestoßen wurde, ob ich denn faul geworden wäre. KTM Klaus schlägt wieder auf, er hatte sich auf der Strecke nach und in Haines einen nassen Hintern geholt und keine Lust gehabt, in dem Nest auch noch vier Tage auf die Fähre nach Skagway zu warten. Also wiederholen wir unseren schönen Abend aus Tok, diese Mal mit einem tollen Auflauf, kreiert von Axel.
Morgen früh fahren wir dann weiter nach Skagway, um von dort aus die Fähre durch die Inside Passage nach Prinz Ruppert zu erreichen. Dort werden wir dann am 5. August abends auf Wolfgang Simmert vom MRT treffen, der einige Tage mit uns fahren will. Wir freuen uns schon.

Alaska Tagebuch Teil 18

 

Alaska Tagebuch Teil 18

Alaskas, Juneau, Do., 03.08.2006

Moin, lieben Gruß aus der Hauptstadt Alaskas, Juneau, wo wir mit der Fähre auf dem Weg zurück nach Prince Ruppert gerade angelegt haben. Uns geht es gut nach der späten bzw. frühen Abfahrt morgens um 2:00 h. Aber die Nacht auf Deck im Liegestuhl unter einer Überdachung war toll. Von oben wurden wir durch Heizstrahler gewärmt. Jetzt klart es auch langsam auf. Die Regenwolken, die am Abend über dem Fährhafen Skagway gehangen hatten, sind fast verflogen.

Die Fahrt von Whitehorse hinunter nach Skagway war ein weiteres Erlebnis. In Whitehorse haben wir uns mit der Abreise noch Zeit gelassen. Ein ganzer Tag Pause. Jeder nutzt ihn zu dem, was er/sie gerne mal machen möchte. Ich mache einen Ausflug zu Klaus de Jager von Yukon Wide Tours, der etwas außerhalb von Whitehorse lebt. Im kommenden Winter werden wir mit ihm im Rahmen des Globetrotter Vortragprogramms mit einer Bilderschau bei Globetrotter Ausrüstung in Hamburg am Wiesendamm veranstalten. Zurück machen wir noch gemütlich einige Einkäufe, waschen Wäsche, lesen, hören Musik. Das muss mal sein und all das hat uns gut getan.

Auch dieser Morgen fängt sehr gemütlich an. In der Herberge „Hide on Jackell“ sprechen wir noch lange mit Renate und Detlef, die das Haus betreiben. Die beiden sind eigentlich schon seit über 15 Jahren unterwegs. Hier in Whitehorse haben sie vorübergehend, wie Renate sagt, ein Zwischenzuhause gefunden. Dieses Backpacker Hostel ist mit viel Liebe eingerichtet und zeigt die Erfahrung von vielen Jahren des Reisens. Es bietet den kurzfristig oder auch den länger verweilenden Gästen ein kleines Zuhause, mit Kochmöglichkeiten und freiem Zugang zum Internet, das ich auch ausgiebig genutzt habe. Doch dann ist unsere Zeit gekommen. Es ist schon mittags, als wir uns auf den Weg machen. Wir verabschieden uns von den beiden und auch von KTM Klaus, der von hier aus den Cassier HWY hinunterfahren will. Obwohl Klaus, wie wir, als nächstes Ziel auch das Hostel in Smithers ansteuern will, das uns Renate und Detlef empfohlen haben, werden wir uns wohl erst im September in Hamburg wieder sehen.

Nach einem kurzen Stopp an der SS Klondike, dem alten Raddampfer am Yukon, einem der Wahrzeichen von Whitehorse, fahren wir ein Stück auf dem Alaska Highway und biegen wir dann auf die Straße nach Skagway ab, um ans Meer zu gelangen. Rasch verändert sich die Landschaft, die Berge ragten höher auf, der Wald wird wieder dichter. Dann halten wir an einem Parkplatz mit einem fast unwirklichen Blick auf einen See, der smaragdgrün, türkis und sanft hellgrün zwischen den Tannen hindurchschimmert. In der Ferne zieht ein Ruderboot darüber, ein sanftes Gleiten.

Ein paar Kilometer weiter, kurz vor Carcross, erreichen wir die kleinste Wüste der Welt, Carcross Desert. Große Sanddünen, die aus den Sedimenten eines eiszeitlichen Sees entstanden sind, bedecken hier auf nur wenigen Quadratkilometern den Boden. Der starke Wind des südlich gelegenen Bennett Lake verhindert hier eine Ausbreitung der Vegetation. Ein beeindruckender Ort, den man sogar übersehen könnte. In der Tat muss ich meine Mitreisenden „einfangen“, sie waren schon dabei, vorbeizufahren. Und dass, obwohl einige Besucher am „Eingang“ zur Wüste stehen und sich sogar eine Schulklasse im Sand niedergelassen hat. Ein paar Schritte an die Seite und schon habe ich das Bild dieser Wüste alleine vor meinen Augen. Nun, fast. Dann kurven leider zwei Buggys mit lauten Motoren die Dünen rauf und runter. Schade.

Weiter auf der Straße nach Süden kommt uns ein Reisebus nach dem anderen entgegen. Dieses Mal sind es wirklich Reisebusse und nicht Wohnmobile mit entsprechenden Ausmaßen. Die Buskarawane scheint kein Ende zu nehmen. Ob das etwas mit dem Fährhafen zu tun hat, auf den wir zusteuern?
Der kleine Ort Carcross ist unser nächster Stopp. Er erscheint wie eine alte Westernstadt. Verstärkt wird das durch den Anblick des Matthew Watson General Store und der alten Bahnstation. Wir erreichen Carcross von der Südseite. Unsere Zufahrt geht über die Bohlen einer alten Eisenbahnbrücke. Eine Parkbank vor dem kleinen Bahnhof bietet Gelegenheit für eine Pause. Stille herrscht hier, wie bei „High noon“. Ein paar kleine Erdhörnchen betteln uns um die Speise an, die wir uns gerade im Generalstore gekauft haben. Schade, aber leider müssen wir uns von diesem idyllischen Ort trennen.

Die Straße, auf der wir nun weiter fahren, ist überraschend kurvenreich. Beeindruckend auch die Landschaft zu beiden Seiten dieser Straße, die sich längs des Lake Bennett hinzieht. Eine ganze Zeit fahren wir nun daran entlang. Mal sind wir nur dicht oberhalb seiner Oberfläche, mal weit darüber. Im Gegensatz zu den meisten Strecken bei uns ist diese Straße nicht oder nur an wenigen Stellen mit einer Leitplanke gesichert. Während des Klondike-Goldrauschs nutzen Goldsucher, die am Ende des 19. Jahrhunderts über den Chilkoot Pass oder den White Pass von Skagway oder Dyea bis an den See gekommen waren, ihn als Startpunkt in Booten für ihre Weiterreise nach Dawson. Bis heute noch verbindet die 1898 in Betrieb genommene White Pass & Yukon Route-Bahnstrecke Skagway mit dem südlichen Ende des Lake Bennett.

Zwei hohe Holzstelen mit aufgesetzten Adlern an der linken Straßenseite erregen unsere Aufmerksamkeit. Sie weisen auf einen neueröffneten Adlerpark hin, den zwei Männer seit dem letzten Jahr betreiben. Das Mädchen im Visitor Center im alten Bahnhof von Carcross hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Die Anlage sieht etwas rumplig aus, aber wir gehen trotzdem hinein. Harald, ein junger Franzose, kommt auf uns zu. Wir kommen ins Gespräch und er führt uns herum. Dabei erzählt er uns von den Problemen beim Aufbau dieses Parks. Einen guten Job machen sie dennoch, Arbeit ist aber auch mehr als genug vorhanden. Zunehmend bekommen sie von den Parkrangern auch verletzte Greifvögel, die sie mit viel Liebe und Sachkenntnis pflegen. Da sie für ihre Arbeit kein Geld erhaltenen, sondern auf die Spenden der Besucher angewiesen sind, ist es manchmal finanziell recht eng. Trotz aller Versuche legen die vorbeifahrenden Busse an dieser Attraktion noch keinen Stopp ein. Hoffentlich wird sich das bald ändern, zum Wohle der beiden Enthusiasten und natürlich ihrer Greife.

Völlig anders dagegen das Bild ein Stücke weiter: Über den schmalen Canyon mit dem darunter schäumenden Fluss spannt sich eine neue Hängebrücke. Davor zwei neue, dreieckige Holz-Glasgebäude, die einen Souvenirladen und eine Cafeteria enthalten und die lediglich als Kassenhäuschen für diese Hängebrücke dienen. 18 $ Eintritt soll dieser „Spaß“ kosten, mit dem innovative Investoren aus Vancouver ihre Einlage schnell amortisieren wollen. Aber ohne uns!
Immer schroffer wird die Landschaft, es geht hoch auf ca. 1.000 m. Vom Gefühl her schätzte ich es aber nicht so hoch ein. Es sieht aus, als haben sich die Gletscher gerade eben zurückgezogen, Gletscherschrammen, Karseen sind in den Felsen zu sehen. Kleine Blumen zittern im Wind. Es wird empfindlich kalt.

Dann erreichen wir die Grenze zur USA. Eindeutig darauf hingewiesen: US Border ahead. Wir fahren sichtlich langsam an die Grenzstation heran. Axel ist dieses Mal voraus. Als er sein Motorrad auf einer gelb markierten Parkfläche abstellt, bekommt er sofort Probleme mit einem etwas neurotischen-cholerischen Grenzer, der ihn heftig anfährt: „You know what you did? Sie haben soeben vier amerikanische Gesetze übertreten! Sie haben die Stoppzeichen missachtet!“ Nach einer intensiven Belehrung für Axel geht diese merkwürdige Schau aber noch glimpflich aus. Dann allerdings kann sich Axel am Ende die Bemerkung doch nicht verkneifen: „I`m glad to be back in the USA.“
Der stämmig gebaute Grenzer, der uns danach abfertigt, ist gänzlich anders. Er steht im kurzärmligen Hemd in der Tür des Grenzhäuschens und als ich ihn darauf und die dort herrschenden Temperaturen von ca. 10° C anspreche, antwortet er mir, dass er sich von Arizona extra hierher habe versetzen lassen, weil er die Hitze nicht abkönne. Schmunzelnd ergänzt er, dass er hier auch seinen Bauch besser pflegen könne. Ich bringe ihm daraufhin das Wort „Holstenfriedhof“ auf Deutsch bei und er bedankt sich dafür mit einem Sonderstempel in unseren Pässen.

In rascher Fahrt geht es dann bergab auf Meeresniveau. In Skagway wird mir dann klar, warum wir die vielen Busse gesehen haben. Drei Kreuzfahrtschiffe liegen in der Bucht und an den Kais vor Anker, Hunderte von Kreuzfahrern schwirrten durch die alte Holzstadt, bevölkerten die vielen Souvenirläden, flanierten über die Holzbürgersteige.
In einer Seitenstraße fanden wir ein nettes Café. Lara, aus Italien eingewandert und hierher verheiratet, macht den besten Espresso, den ich auf der Tour getrunken habe, einen großartigen Blaubeerkuchen und eine Spitzenpasta. Draußen sind noch immer Hunderte von Kreuzfahrern unterwegs. Um dem Gewimmel zu entgehen, machen wir einen Ausflug nach Dyea, am Ende der Nachbarbucht, ca. 14 km von Skagway entfernt. Von hier aus geht der Chilkoot Passweg los, auf dem die Goldsucher ihre mindestens 1.000 kg Ausrüstung ins Land schleppen mussten, über in den Schnee gestampfte Trampelpfade. So manch einer von ihnen blieb dabei auf der Strecke, beigesetzt auf einem kleinen Friedhof in der Nähe der nahezu verschwundenen Siedlung Dyea. Über das Ende der mehr als 3.000 Packtiere, die bei diesen Transporten umkamen, berichtet nur ein kleiner Hinweis auf einer Tafel am Anfang des Trails.
Wie es weitergeht, was wir sonst noch so den restlichen Tag in Skagway gemacht haben und über die Fahrt durch die Inside Passage später mehr, denn unser Fährschiff wird schon wieder beladen und ich muss zügig an Bord.

Alaska Tagebuch Teil 19

 

Alaska Tagebuch Teil 19

Smithers Guesthouse, B.C. So 06.08.06

Wieder sind ein paar Tage vergangen und wir sind inzwischen in Smithers in British Columbia angelangt. Untergekommen sind wir bei Tina und Hans aus Linz, die hier seit ein paar Jahren das Smithers Guesthouse und Hostel betreiben.
In Juneau hatte ich meine Tagebucheintragungen im Internet am Fährbahnhof rasch beenden müssen, weil wir auf die Fähre zurück mussten. Anfangs waren sie dort mit ihrer Beladung und der ganzen Fahrmanövern der Mobilhomes im Bauch der Fähre und an Land nicht klar gekommen, aber dann ging es auf einmal richtig flott und ich musste zusehen, rechtzeitig an Bord zu kommen.
Juneau, die Hauptstadt Alaskas, ist nicht auf dem Landwege zu erreichen, sondern nur per Flugzeug oder Fähre. Sie liegt 12 Meilen vom Fährhafen entfernt, so dass sich bei dem kurzen Zwischenstopp der Fähre ein Ausflug dorthin erübrigt.

Die Zeit vor unserer Abreise aus Skagway hatten wir mit dem Besuch von Dyea verbracht, einer Rundfahrt durch das abendliche Skagway und einem letzten Auftanken. Obwohl der Benzinpreis in Skagway deutlich höher ist als im übrigen Alaska, ist er immer noch günstiger als in Kanada. In Skagway gingen wir vor unserer Abreise noch am Hafen Fisch und Chips essen. Es gab ausgesprochen leckeren Heilbutt. Anschließend gab es noch in Moe’s Bar ein letztes Bier, bevor wir die wenigen Meter durch das inzwischen nächtliche Skagway zum Fährhafen rollten.
Kurz vor unserer Abfahrt begann es zu regnen und wir waren froh, als wir die Motorräder im Bauch des Schiffes abstellen konnten. Glücklicherweise hatte ich noch einige Spanngurte dabei, denn das Fährangebot an Befestigungsmaterial bestand aus einer riesigen Rolle Sisalschur, 4 mm stark, die auf einer grossen Spule direkt über uns hing. Welch ein Witz. Aber zusätzlich zu unseren Spanngurten und doppelt verdrillt, ging es auch.
An Deck suchten wir uns gleich einen windgeschützten Platz oben unter der Überdachung auf dem Sonnendeck aus. Wir zogen uns jeweils eine Liege von draußen heran und platzierten sie unter den an der Überdachung angebrachten Heizstrahlern. Im Schlafsack eingekuschelt, wurde es fast zu warm. Axel hatte entspannter schlafen wollen und sich gegen einen geringen Aufpreis eine Kabine organisiert. Nach kurzer Zeit waren um uns herum nur entspannte Schlafgeräusche zu hören. Den kurzen Zwischenstopp in Haines habe ich dann auch nur im Halbschlaf mitbekommen.

Müde durch den langen vergangenen Tag war es schon lange wieder hell, als ich aufgewacht bin. Zunehmend wurde es schöner, die Fahrt durch die Inside Passage immer eindrucksvoller. Im Laufe der Zeit lernten wir die Schläfer um uns herum kennen und führten viele gute Gespräche, u.a. mit Andrea und Jörg Schuster, die mit ihren Fahrrädern am Anfang ihrer Tour nach Feuerland stehen.

Die Inside Passage ist ein Seeweg, der zwischen den Inseln und dem nordamerikanischen Festland verläuft. Dieser Seeweg verbindet die isoliert gelegenen Siedlungen. Er hat den Vorteil, dass der Einfluss von Schlechtwetter durch die vorgelagerten Inseln deutlich geringer ausfällt. Sitka, St. Petersburg, Wrangell und Ketchikan sind die nächsten Haltepunkte auf der Fahrt nach Prince Rupert, von wo wir ab Samstag auf dem Yellowhead-Highway Richtung Osten fahren wollen.
Durch die lange Be- und Entladezeit in Juneau erreichen wir Sitka erst mit Verspätung am späten Abend. Deswegen lohnt sich leider auch eine Fahrt in den Ort nicht mehr. Es ist auch schon deutlich dunkler geworden. Kein Wunder, denn auf unserer Fahrt durch den Panhandle nach Süden befinden wir uns auf der gleichen geografischen Breite wie Göteborg. Da ist dann die nächtliche Helligkeit schon eine deutlich andere als die in Fairbanks oder auch die während meiner Nachtfahrt durch die Brooks Range nördlich des Polarkreises.
Ein Ausflug in den Ort Sitka hätte mich schon wegen des historischen Hintergrundes gereizt. Hier wurde nämlich 1867 die Übergabe Alaskas von Russland an die USA vollzogen. Für 7.2 Millionen Dollar wechselte damals ein Gebiet der Größe Westeuropas den Besitzer.
Hier im Panhandle sind wie im übrigen Alaska noch die Spuren der ehemaligen russischen Besiedlung zu finden.
Umso interessanter sind dann unsere kurzen Ausflüge nach St. Petersburg und Wrangell. Die Bewegung tut uns gut, ein kleiner Einkauf schadet der Reisekasse auch nicht. So sind wir nicht darauf angewiesen, an Bord essen gehen zu müssen. Außerdem bleiben die Eindrücke in den Ortschaften unvergessen. Dazu kommt noch die unglaublich schöne Fährfahrt auf den schmalen Wasserstraßen, teilweise eng wie der Nord-Ostsee-Kanal. Bären trotten am Ufer lang, Seelöwen rekeln sich auf Ufersteinen oder Bojen in der Sonne. Immer wieder deutlich zu erkennen sind die zahlreichen Wasserfallen, die sich mal gewaltiger, mal rieseliger von den Felsen ins Meer stürzen. Dann Gletscher in näherer oder größerer Distanz, Wasserflugzeuge und Fischkutter, die an uns vorüberziehen, die wärmenden Sonnenstrahlen.

Unser Tagesablauf wird, abgesehen von den Mahlzeiten, auch von den verschiedenen Vorträgen unterbrochen, die eine Parkrangerin in einem der Aufenthaltsräume hält. Ein großartiges Angebot, ausgesprochen hilfreich, das eigene Wissen über diese Region, die Landschaft, Flora und Fauna, zu erweitern.
Bevor wir am späten Abend in Ketchikan einlaufen, zieht sich der Himmel zu und es beginnt zu regnen. Nicht gerade untypisch, denn die Region des Panhandle ist als borealer Regenwald auch für entsprechende Niederschlägen bekannt.
Als wir früh morgens in Prince Ruppert einlaufen, regnet es immer noch. Rasch sind die Motorräder gepackt, wir verlassen die Fähre und passieren den kanadischen Zoll auch problemlos, da wir keine Waffen anzumelden haben. Bei der ersten Gelegenheit stoppen wir, um zu frühstücken. Dort treffen wir auch noch viele andere wieder, die mit uns auf der Fähre gewesen waren, so auch Andrea und Jörg.

Auf dem Yellowhead Highway verlassen wir dann Prince Ruppert. Nur langsam lichtet sich der wolkenverhangene Himmel und wir können unsere Umgebung besser erkennen. Bei einer Zigarettenpause gehen wir an das Ufer des Flusses, der uns schon eine ganze Zeit begleitet. Zu unserer Überraschung sind im Sand deutlich die Spuren eines Bären zu erkennen, die uns auch nicht besonders alt erscheinen. Also ziehen wir besser weiter. An der Kreuzung mit dem Cassier Hwy tanken wir und gönnen uns ein Stücke weiter eine längere Pause, in der wir an einer Felsschlucht den Indianern beim Lachsfischen zusehen.
Nachdem die Strecke bis hierher sehr durch das Kettengebirge geprägt ist, folgt auf dem folgenden Streckenabschnitt ein hügeliges Farmland mit weidenden Rindern und Pferde, tauchen bis zu unserem Etappenziel Smithers immer mehr Farmen auf.

Rasch finden wir das Smithers Guesthouse und Hostel, aber niemand ist da. Wahrscheinlich sind Tina und Hans einkaufen. Also tun wir es ihnen nach und fahren hinunter zum Saveway. Gerade überlegen wir, dass wir noch einen Happen essen gehen wollen, als Wolfgang Simmert vom MRT (www.motorrad-reise-treffen.de) in Gieboldehausen, mit dem ich mich hier verabredet hatte, „aufschlägt“, zwei weitere Motorradfahrer im Gefolge. Den einen von beiden, Marcus, kenne ich auch vom MRT. Wolfgang hatte ihn kurz zuvor zufällig an einer Tankstelle getroffen. Witzig, sie waren einige Jahre zuvor einige Zeit gemeinsam in Australien unterwegs gewesen und Marcus hatte nicht im Traum dran denken können, Wolfgang hier zu treffen.
Wir haben es uns gerade auf der Gartenterrasse eines Restaurants gemütlich gemacht, als ein wohlbekannter Auspuffklang an unsere Ohren dringt und KTM Klaus mit quietschenden Bremsen zum Stehen kommt. Er hatte unsere Moppeds gesehen und füllt nun unsere Runde auf.

Gemeinsam checken wir dann ein wenig später bei Tina und Hans ein. Erst überlegen wir noch, anschließend gemeinsam essen zu gehen, doch dann entscheiden wir uns für einen kommunalen Einkauf. Schwer beladen kommen wir einige Zeit später mit den Motorrädern zurück. Im Nu ist der Grill angeworfen, sind die Beilagen gemeinsam zubereitet. Anschließend vertilgen wir in großer Runde diverse Steaks, Hühnerbeine, Salat und drei Six-Packs. Es wird ein toller und langer Abend.
So, nun sind alle langsam aufgewacht, wieder nüchtern und wir können frühstücken, bevor wir packen und uns dann auf den Weg nach Prince George und weiter nach Jasper machen.

Alaska Tagebuch Teil 20

 

Alaska Tagebuch Teil 20

Nakusp, B.C. bei Margot und Wolfgang, dem Laverdamann, Mi., 09.08.2006

Nachdem alle langsam aufgewacht und anscheinend wieder nüchtern sind, können wir frühstücken.
Wir daddeln noch ein wenig rum, dann verabschieden wir uns von Tina und Hans und endlich geht es los. Die Strecke ist zwar ganz angenehm zu fahren, aber nicht besonders prickelnd. Schließlich erreichen wir Prince George, das Vorsorgungszentrum des nördlichen British Columbia, Zentrum der Holzindustrie und der ersten wirklich großen Stadt seit langem. Sie scheint auch durch ihre flächenmäßige Ausbreitung viel grösser, als es die Zahl ihrer 70.000 Einwohner vermuten lässt.

Neben der Holzwirtschaft sind hier immer mehr Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt. Auf dem Weg von der Küste nach Smithers und dann weiter nach Prince George haben wir eine Reihe von Lastwagen überholt, die entweder mit riesigen Baumstämmen beladen oder mit Halbzeugen oder Fertigprodukten unterwegs waren, von Spanplatten und Sperrholz bis zu fertigen Holzhäusern, die nur darauf warteten, von den Lastwagen gehoben und aufgestellt zu werden. Immer wieder sehen wir auch nahe der Straße riesige Sägewerke – so in Prince George. Es sind wirklich riesige Anlagen, die unglaubliche Mengen an Baumstämmen verarbeiten. Dennoch reicht es nicht, die Schäden, die vielerorts deutlich zu sehen sind, aufzuarbeiten. Dunkelgrüne Wälder gibt es an manchen Stellen gar nicht mehr, an manchen Strecken begleiteten uns eher rostbraune Wälder, die nicht von einem vorzeitigen Herbsteinbruch zeugten, sondern von massivem Schädlingsbefall.

In Prince George setzen wir uns mit Klaus noch auf einen Kaffee zusammen, bevor er sich über die 97 und die 99 direkt auf den Weg nach Vancouver macht, um von dort aus entlang der Küste nach San Fransisco weiter zu fahren.
Wir setzen unsere Fahrt auf der 16 fort und fahren noch ein ganzes Stücke in den Abend hinein. Kurz hinter Prince George lässt die Besiedlung schlagartig nach, die Sägewerke mit ihren gewaltigen Spänebunkern, den Wasserdampfwolken und dem z.T. unangenehmen Geruch bleiben zurück. Der Wald wird wieder dichter, die Anzahl der Fahrzeuge, die uns begegnen deutlich geringer. Dafür sehen wir wieder mehr Tiere, u.a. einen großen Elchbullen, der direkt neben der Straße steht. Kurz nachdem der fast volle, riesige Mond über den Bergen aufgegangen ist, erreichen wir den Ort McBride und suchen uns im McBride Hotel eine Unterkunft für die Nacht. Von vorne sieht es eher aus wie der Zugang zu einer Westernbar, der Seiteneingang und die Flure des Hotelbereiches haben in meinen Augen eher den „Charme“ eines sibirischen Hotels. Witzig ist die Lösung des Rauchverbots im Barbereich: eine einfache Holzwand mit großen Fenstern zu Hauptbereich der Bar, an der Seite keine Türen und schon ist der Forderung nach einem abgetrennten Bereich für die Raucher Genüge getan.
Am Morgen frühstücken wir in einem anderen Hotel an der Hauptstraße. Wir entscheiden uns für das „breakfast spezial“, bestehend aus Eiern, Würstchen, Schinken, Toast und diesem unvergleichlichen Kaffee - was tun die bloß den armen Kaffeebohnen an?

Wieder haben wir Glück. Eher ungewöhnlich, der Mt. Robsen, der höchste Berg der Rocky Mountains, ist ohne Wolken. Wir quatschen mit einer deutschen Reisegruppe, die Kanada in Ost-West-Richtung mit einem Bus durcheilt, dann fahren wir nach Jasper. Welch ein Touristenrummel, das sind wir überhaupt nicht mehr gewohnt. Wir stoppen auf ein hervorragendes Sandwich und haben viel Spaß mit Yvonne, die die Sandwichs extra für uns ganz frisch zubereitet. Zu relativ günstigen Konditionen kann ich einige Diafilme nachkaufen und dann fahren wir weiter. Ellen und Götz fahren etwas zügiger voraus, weil sie noch mehr Zeit auf Vancouver Island verbringen wollen, um dort Wale zu beobachten. Das hatte wegen des Nebels in Valdez leider nicht geklappt. Axel und ich bummeln langsam hinterher.
Irgendwie ist es merkwürdig, der Jasper National Park und der anschließende Banff Nat. Park mit dem durch sie führenden Icefield Pwy sind zwar unheimlich schön, die Ausblicke auf die schneebedeckten Berge, auf die Gletscher, die schäumenden Flüsse, die Wälder, die Tiere, die wir immer wieder sehen, ganz beeindruckend, aber mir ist das fast zu postkartenschön, zu schön eben. Die meisten Unterkünfte sind hier ausgebucht, auch die große Jugendherberge. Wir fahren weiter. Am Beauty Creek finden wir eine ganz kleine Jugendherberge, übernachten direkt am Fluss. Das ist zwar wirklich basic, aber wir haben einen wundervollen Abend in großer Ruhe am Lagerfeuer, klönen lange bei ein paar Dosen Bier. Diese Ruhe wird nur gelegentlich von einigen Harleys unterbrochen, die ohne Schalldämpfer, nur mit glatten Rohren, auf dem Parkway vorbeiknattern und so die Idylle stören.

Am Morgen gibt es zum Frühstück hervorragende Pfannkuchen, von den Herbergseltern selbst zubereitet. Wir fahren weiter, stoppen am Columbia Gletscher. Immer wieder großartige Ausblicke, dann ein Tank- und Kaffeestopp in Lake Louise. Vor uns zieht ein heftiges Gewitter auf und so schwenken wir nach Westen ab, durchqueren eine riesige Baustelle und fahren über Golden nach Ravelstroke. Jenseits des großen Stausees biegen wir nach Süden ab, setzen 50 km weiter mit einer Fähre über eben den Stausee und erreichen nach weiteren 50 km Nakusp. Wolfgang Simmert, der uns in Lake Louise verlassen hatte, um über Calgary zurück nach Edmonton zu fahren, hatte uns mit Margot und Wolfgang bekannt gemacht, bei denen wir übernachteten und uns gleich wie zu Hause fühlten. Wir schlagen unsere Zelte an geschützter Stelle in ihrem Garten auf, warten unsere Motorräder mit kompetenter Unterstützung und sehen uns dann Wolfgangs Schätze an. Wolfgang ist ein absoluter Crack, was Laverdas betrifft, nicht nur, dass er selber einige hat, er hat auch bestimmt alle Ersatzteile und kennt sich mit den diversen Laverdas aus, wie kaum ein zweiter.
Anschließen essen wir zusammen und klönen bei einigen Bieren über Gott und die Welt, über Motorräder und Reisen, über Kanada und Deutschland. Es wurde noch ein schöner Abend mit den Beiden.
Heute Morgen bin ich etwas früher auf, um die Gelegenheit zum Schreiben am PC zu nutzen. So nun ist Axel gekommen und drängelt zur Weiterfahrt. Auf Anraten von Wolfgang wollen wir noch einen kleinen Umweg fahren, bevor wir uns entlang der Grenze zur USA wieder zurück in Richtung Vancouver schlängeln.

Alaska Tagebuch Teil 21

 

Alaska Tagebuch Teil 21

Nanaimo, B.C. bei Barbara und Garry, Sa., 12.08.2006

Drei Tage sind mittlerweile vergangen und ich sitze jetzt im Erdgeschoss eines wundervollen Hauses in Nanaimo auf Vancouver Island. Es gehört Barbara und Garry Storch, die wir kennen gelernt hatten, als wir am Anfang unserer Reise zwei Tage Zwangspause wegen der defekten Batterie hatten. Sie hatten uns eingeladen, sie auf unserem Rückweg zu besuchen. Diese Einladung haben wir gerne angenommen.

Doch der Reihe nach:
Nachdem wir uns von „Laverda-Wolfgang“ und seiner Frau Margot verabschiedet hatten, fuhren wir auf ihr Anraten hin eine erweiterte Runde über Kaslo nach Nelson. Die Strecke ist das, was sie hier „bikers heaven“ nennen, eine zur Abwechslung recht abwechslungs- und kurvenreiche Strecke. An einem kleinen Rastplatz hatten wir wieder eine Begegnung mit einem Schwarzbären. Wir kamen ihm allerdings dieses Mal so nah, dass er in unsere Richtung gewandt zu fauchen begann.

An diesem sehr heißen Tag wollte meine BMW nach der Mittagsrast nicht anspringen. Rasch fand ich heraus, dass sich die Schraube am Pluspol der Batterie gelockert hatte und so keine ausreichende Ladung mehr vorhanden war. Aber nach einigen schweißtreibenden Anschiebemetern in der Mittagshitze lässt sie sich zum Anspringen überreden und wir fahren weiter in Richtung und entlang der US-kanadischen Grenze. Über Castelgar gelangen wir in den überaus merkwürdigen Ort Osoyoos am Okanagan, dem Wein- und Obstanbaugebiet von Westkanada. Dieses Osoyoos mutet wie eine Mischung aus Las Vegas und spanischem Badeort an, in einer sehr trockenen, fast wüstenhaften Gegend. Von hier aus erstreckt sich nach Norden das Okanagan Valley, in dem ein erstaunlich guter Rotwein angebaut wird. Eine große Überraschung, denn den hätte ich hier überhaupt nicht vermutet. Ein spektakulärer Abendhimmel lässt uns noch bis in den Anbruch der Dunkelheit hineinfahren. Zur Abwechslung finden wir ein günstiges Motel. Am Abend sehen wir die ersten Nachrichten von dem gescheiterten Terrorversuch in London mit den Bildern von den entsetzten Frauen, die die Inhalte ihrer beautycases - Gucci, Joop, Armani, Lippenstifte, Puder und Cremes - vor dem Abflug in die Mülleimer entsorgen mussten. Mal sehen, was da noch auf uns zukommt, wenn wir demnächst fliegen.

Der nächste Morgen bringt uns ganz rasch in die Nähe von Hope, in den Bereich des Küstengebirges, das uns mit einem heftigen Wolkenbruch begrüßt. So fahren wir so zügig, wie es bei dem Regen geht, auf der Schnellstraße durch Vancouver hindurch nach Horseshoe Bay und erreichten gerade rechtzeitig die Fähre nach Nanaimo. Welch ein Glück, dass wir mit den Motorrädern unterwegs sind, denn so werden wir an den langen Warteschlangen vorbei gewunken und können gleich auf die Fähre. Kaum haben wir Vancouver Island in Sicht, klärt sich das Wetter auf und die Sonne beginnt zu scheinen.
Barbara und Garry wohnen, sehr schön gelegen, etwas außerhalb von Nanaimo. Sie haben sich riesig gefreut, als wir ankamen. Unsere Zelte durften wir gar nicht aufbauen, sondern bekommen ihre Gästezimmer. Ein wenig später kommt Phil, ihr Freund, der auch bei unserem ersten Treffen dabei gewesen war. Bei einem hervorragenden Essen wurde es ein sehr langer Abend.

Am nächsten Morgen machen wir uns alle auf den Weg auf die andere Seite von Vancouver Island, Richtung Pazifik. Es ist eine für Motorradfahrer besonders schöne Fahrt. Viele Kurven, ein ständiges Auf und Ab, kleine, interessante Orte, Seen, tief ins Innere der Insel hineinreichende Fjorde und interessante Wälder. Besonders die Zedernwälder mit ihren riesigen Stämmen haben es mir angetan. Die Pazifikseite ist im Bereich von Tofino leider wolkenverhangen, grau, ein wenig unwirtlich, dennoch machen wir auf dem breiten Strand einen langen Spaziergang. Dann geht es wieder zurück zu den Motorrädern und wir folgen Barbara und Garry in ihrem FJR Gespann.

Zu Hause erzählen und zeigen uns die beiden etwas von ihrer Arbeit. Barbara und Garry gehören zu den besten Segelmachern der kanadischen Westküste, Bilder von ihren besten Arbeiten und von Garrys Zeit als Gespannrennfahrer in Deutschland runden den Abend ab.
Heute haben die beiden zwei Besuche zu machen, für uns Gelegenheit, unsere Sachen durchzusehen und uns auf unsere baldige Abreise und unseren Abflug vorzubereiten, so dass wir morgen und übermorgen in Vancouver nicht zu viel zu tun haben werden.

Alaska Tagebuch Teil 22

 

Alaska Tagebuch Teil 22

Vancouver, B.C., So., 13.08.2006

So, heute ist der letzte Abend unserer Tour. Wir sind gerade vom Essen zurück und haben auf die bislang wunderschöne Fahrt und die vielen Eindrücke und Begegnungen angestoßen. Lange kann es heute hier am PC des Youth Hostels nichts werden, da zwei der PCs ausgefallen sind und das Gedrängel um den einen verbliebenen umso grösser ist. Aber inzwischen ist es auch schon spät genug und somit ist es auch nicht die Hauptzeit der meisten Schreiberlinge. Unsere Sachen sind alle gepackt, wir müssen sie nur morgen früh auf die Motorräder schnallen, die heute Nacht wieder in der Tiefgarage des nahe gelegenen Best Western Hotels stehen. Besser ist besser, denn die Granville Street ist in diesem Abschnitt zwar sehr interessant, aber hier laufen auch zu viele kaputte Typen herum und wir wollen am letzten Abend nicht noch etwas provozieren.

In Nanaimo auf Vancouver Island waren wir gestern Morgen noch mit Barbara und Garry zum Brunch gefahren, bevor wir uns auf die ca. 100 km lange, abschnittsweise recht schöne Strecke nach Victoria machten. Es war wieder recht warm geworden. Ganz schnell fanden wir den Platz, an dem Axel seine V-Strom abgeben sollte. Er hatte mit dem Vermieter die zentrale Rückgabestation verabredet und dafür – als Bonus – einen Flug mit einem Wasserflugzeug hinüber nach Vancouver ausgehandelt. Nachdem seine Rückgabe problemlos abgewickelt war und man uns ein dickes Lob für den hervorragenden Zustand der Maschine gezollt hatte, startete ich meine letzte Etappe zur Fähre, die ich auch gerade wieder erreichte. Eine wundervolle Fahrt von 1:45 Stunden bei strahlendem Sonnenschein durch die Inselwelt. Draußen tummelten sich Wale in relativer Nähe, anscheinend mit viel Spaß. Eine gute Stunde später bin ich dann an der Jugendherberge, in der wir schon auf dem Hinweg gewohnt hatten. Wir packen die Sachen von den Motorrädern und parken die Motorräder wieder in der Garage des benachbarten Hotels. Zum Abschluss des Tages und der Reise gehen wir gemeinsam auf einen Happen und zu einem Bier im Pitcher (Krug) in die Nachbarschaft.
So, genug am PC der Jugendherberge geschrieben. Nun wird es Zeit, ins Bett zu gehen, denn der Tag mit dem Rückflug morgen wird lang.

Alaska Tagebuch Teil 23

 

Alaska Tagebuch Teil 23

Der Adler ist gelandet, Mi., 16.08.2006

Der Montagmorgen beginnt sehr entspannt. Nach dem Frühstück holen wir die Motorräder aus der Tiefgarage des Best Western Hotels, parken direkt vor der Jugendherberge und beginnen sie zu beladen. Anschließend machen wir uns auf den Weg zu Eagle Logistics, wo wir unsere Motorräder abgeben sollen. Da die aber die Mopeds für den Rückflug sauber abgeliefert haben wollen, steuern wir diverse Stellen an, von denen wir hoffen, denken, gehört haben, dass dort eine Möglichkeit zum Reinigen bestehen soll.

Während wir auf unserer Reise immer wieder Waschanlagen gefunden hatten - selbst an Campingplätzen gab es für die RVs solche Möglichkeiten, bekommen wir hier in Vancouver eher den Eindruck, die müssen oder wollen ihre Fahrzeuge nicht waschen. Selbst als wir im Chinesenviertel bei einer Handwaschanlage danach fragen, bekommen wir eine Abfuhr. Also entschließen wir uns, direkt zu Eagle Logistics zu fahren und es vor Ort zu probieren. Einen Eimer und Wasser werden wir dort wohl auftreiben können. Aber wie es der Zufall so will, kurz bevor wir an unserem Ziel sind, sehen wir an einer Automeile den Hinweis auf ein CarWash. Wir machen sofort die Biege, finden aber trotz intensivem Suchen nichts. Also stoppen wir vor der lokalen BMW Niederlassung, um dort nach einem CarWash zu fragen. In diesem Falle erweisen sich die Mädels am Empfang als nicht besonders kompetent. Die Hinweise, die wir dort bekommen, hatten wir bereits vergebens ausprobiert. Als ich etwas frustriert nach draußen gehe, steht dort ein junger BMW Mitarbeiter bei unseren Motorrädern und unterhält sich mit den Kollegen auf Deutsch. Christoph ist seit der Wende hier. Ist das die Gelegenheit? Ich frage ihn, ob es möglich wäre, dass wir unsere Motorräder bei ihnen in der Waschhalle für den Rückflug reinigen könnten. Christoph geht sofort los, um seinen Chef zu fragen und lotst uns kurz danach auf die Rückseite des Gebäudes. Nachdem wir unser Gepäck abgenommen haben, wollen wir uns sofort daran machen, die Motorräder zu waschen. Doch man lässt uns nicht. Vielmehr machen sich zwei Mitarbeiter daran, unsere verdreckten Enduros gründlich zu reinigen. Im Anschluss daran wehren sich die Jungs auch noch vehement dagegen, ein Trinkgeld anzunehmen. Auch nicht schlecht – vielen Dank nochmals auf diesem Wege.

Kurz danach erreichen wir die Spedition Eagle Logistics, melden uns im Büro und werden in die Abläufe eingewiesen. Wir beginnen, unsere Motorräder umzupacken und sie in den Metallracks zu verzurren. Zum Schluss klemmen wir noch auftragsgemäß die Batterien ab. Nachdem zu aller Zufriedenheit auch noch der abschließende Papierkram erledigt ist, lassen wir uns ein Taxi bestellen und fahren gleich weiter zum Flughafen, um rechtzeitig da zu sein.

Draußen sind schon große Hinweistafeln angebracht, die auf die neuen Bestimmungen hinweisen, die im Zusammenhang mit dem verhinderten Attentaten in London in Kraft getreten sind: keine Flüssigkeiten, Cremes und Pulver, nichts dergleichen! Die Sicherheitskontrollen sind sehr gründlich. Dementsprechend lang sind die Schlangen vor den Schaltern und Durchlässen. Wer es nicht schon im Vorwege gerafft hat, die entsprechenden Gegenstände aus seinem Handgepäck in sein Fluggepäck umzupacken, hat leider ein Problem: so verschwinden Unmengen von Parfums, Gucci, Joop, Armani - alles was gut und teuer ist, der gesamte Inhalt von beauycases - Gesichtscremes, ferner Whiskyflaschen, Wasser und Säfte in die bereitgestellten Mülleimer. Wie sagt mein Freund Pit immer? Shit happens! Die Duty Free Shops nach den Kontrollstationen haben zwar offen aber selbst dort dürfen diese Teile nicht gekauft werden.
Über den Flug ist nicht viel zu erzählen. Wir fliegen gegen den Tag und müssen in Amsterdam ein paar Stunden warten. Da wir anschließend EU-intern weiterfliegen, ist auch der Einkauf im dortigen Duty Free Shop nicht gerade kostengünstig.

Groß ist dann die Freude bei der Ankunft am Hamburger Flughafen, da doch einige Freunde gekommen sind, um uns abzuholen.
So, nun hat uns der Alltag wieder. Aber wir haben uns alle fest vorgenommen, so viel wie möglich von der Freude und der Gelassenheit, die wir erfahren und mitgebracht haben, zu bewahren.
Wir werden uns hoffentlich noch lange an diese wunderschöne Fahrt und die vielen Eindrücke und Begegnungen erinnern. Vertieft werden sie wohl durch die vielen analogen und digitalen Bilder, die wir mitgebracht haben und von denen ich einige demnächst ins Netz stellen werde. Einige wird aber niemand sehen, denn das sind die, die einzig in unseren Erinnerungen zu finden sind.
Und all das, was ich wieder erfahren habe, wird mich auffordern, weiter zu machen, denn:

 Wenn Du für Dein Glück sorgen willst,
 dann ändere oft Deinen Aufenthalt,
 denn die Süßigkeit des Lebens
 besteht im Wechsel - stehendes Wasser wird faul.
   Orientalisches Sprichwort

In diesem Sinne - lieben Gruß und danke allen, die unser Reise mit Interesse verfolgt haben.
Jürgen

Logo_Fuss_GlobeTours_4c_05.giflogo_globe_reisebuero.gifglobe_ausruester.giflogo_bikersprofi.jpg